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Person mit Quaddeln kratzt sich am Arm
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Person mit Quaddeln kratzt sich am Arm

Therapieansätze bei chronischer spontaner Urtikaria (csU)


Die Urtikaria, auch als Nesselsucht bekannt, ist eine häufige dermatologische Erkrankung1, die durch das Auftreten von Quaddeln, Juckreiz und/oder Angioödemen gekennzeichnet ist. Das klinische Erscheinungsbild ist vielfältig und kann je nach Urtikaria-Typ und -Subtypen unterschiedlich ausgeprägt sein.2

Für die klinische Einordnung bietet die Differenzierung nach Krankheitsdauer eine hilfreiche Orientierung: Es wird zwischen einer akuten und einer chronischen Verlaufsform unterschieden. Die chronische Urtikaria lässt sich darüber hinaus – abhängig von den zugrunde liegenden Mechanismen – in eine spontane und eine induzierbare Form unterteilen.2

Die chronische spontane Urtikaria (csU) ist dadurch charakterisiert, dass über einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen persistierend oder rezidivierend Quaddeln und/oder Angioödeme auftreten, ohne dass ein spezifischer äußerer Auslöser identifiziert werden kann.2

Die Lebenszeitprävalenz für Urtikaria liegt bei nahezu 20 Prozent2, Frauen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren sind vermehrt betroffen.3 Insbesondere der Juckreiz als Leitsymptom1 stellt für Betroffene eine erhebliche Belastung dar und geht häufig mit einer deutlichen Einschränkung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität einher.3 Häufige Komorbiditäten der csU wie Autoimmunerkrankungen, Allergien und die chronische induzierte Urtikaria können zu Frustrationen im Alltag führen und darüber hinaus durch weitere Beeinträchtigungen der csU wie Depressionen, Angst- und Schlafstörungen verschlechtert werden.2

Als wesentliche Ursachen für csU werden autoimmune Mechanismen vermutet. Hierbei unterscheidet man die autoallergische csU vom Typ-I mit IgE-Antikörpern gegen Autoantigene von der csU vom Typ-IIb mit Mastzell-aktivierenden Autoantikörpern.4 Weitere, derzeit noch unbekannte Mechanismen sind anzunehmen.2

Die Leitlinienempfehlungen zur Abklärung und Bestätigung der csU umfassen die Identifizierung von Komorbiditäten und Auslösern, die Beurteilung von Krankheitsaktivität und -folgen sowie die Einschätzung des Therapieansprechens und der Prognose.2

Die Therapie der csU zielt darauf ab, eine vollständige Symptomkontrolle zu erreichen. Zur objektiven Erfassung der Krankheitsaktivität kann der Urtikariakontrolltest (UCT)2 herangezogen werden. Die aktuellen Leitlinien empfehlen ein stufenweises Vorgehen: Initial erfolgt die Behandlung mit H1-Antihistaminika der zweiten Generation. Bei unzureichendem Ansprechen kann die Dosis auf das Vierfache der Standarddosierung gesteigert werden.a,2  

Patient*innen mit csU, die unter Antihistaminika in Maximaldosierung keine Besserung zeigen, können von einem Anti-IgE-Antikörper als Zusatztherapie profitieren.2

Bei schwerer, therapieresistenter csU, die weder auf Antihistaminika noch auf Anti-IgE-Antikörper anspricht, kann ergänzend ein Immunsuppressivum eingesetzt werden.2

Systemische Glukokortikoide sollten bei csU weder langfristig noch regelmäßig eingesetzt werden.2 Auch wenn die Evidenzlage begrenzt ist, können mitunter alternative Therapieoptionen wie Antidepressiva, Fototherapie oder pseudoallergen-freie Diät hilfreich sein.2 

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Therapiealgorithmus bei chronischer spontaner Urtikaria

Abb. 1: Therapiealgorithmus der csU, mod. nach2.

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Referenzen

  1. Oliver E, Saini S. Immunol Allergy Clin North Am. 2024;44(3)421–438.
  2. Zuberbier T, et al. Allergy. (2026): 1–51.
  3. Kolkhir P, et al. JAMA. 2024;332(17)1464.  
  4. Kolkhir P, et al. J Allergy Clin Immunol. 2022;149(6):1819–1839.

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