Eine Erkrankung, viele Gesichter: Was ist chronische spontane Urtikaria - die Nesselkrankheit?
Über 800.000 Menschen leben in Deutschland mit ihrer chronischen Urtikaria-Erkrankung: Die Verläufe sind stark unterschiedlich, genauso wie die Dauer – bei einigen Patient*innen verschwindet die Erkrankung bereits nach einem halben Jahr, bei anderen bleibt sie über Jahrzehnte.
Krankheitsanzeichen der chronischen spontanen Urtikaria
Die chronische spontane Urtikaria (csU) ist eine Hauterkrankung, die eine erhebliche Belastung für die Patient*innen darstellt: So treten bei den Patient*innen – über einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen – plötzlich und ohne erkennbare Ursache rote, geschwollene, juckende und zum Teil schmerzhafte Quaddeln auf der Haut auf1-3. Bei über 40 Prozent der urtikariakranken-Patient*innen kommt es darüber hinaus zu Schwellungen der tieferen Hautschichten, sogenannten Angioödemen4. Angioödeme im Gesicht beeinträchtigen die Lebensqualität zudem stark.
csU-Patient*innen sind in vielen Bereichen ihres Lebens stark eingeschränkt. Der körperliche und mentale Zustand sind mit dem bei Psoriasis vergleichbar.5 Während Präsentismus, Absentismus und allgemeine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit ähnlich sind, treten psychische Faktoren wie Schlafstörungen, Depressionen und Ängste bei der chronischen spontanen Urtikaria noch deutlicher hervor.
Nur bei etwa jedem*jeder zweite*n Patient*in gelingt die Symptomkontrolle mit der zugelassenen Dosierung eines nicht sedierenden Antihistaminikums der zweiten Generation.3,6
csU – Hilfe zur Analyse für Ärzt*innen und Patient*innen
Der Urtikariakontrolltest (UCT) bietet einen Überblick über die Situation der Patient*innen innerhalb der letzten 4 Wochen bezogen auf Symptomkontrolle und Therapieerfolg. So lag der UCT bei Baseline in der AWARE-Studie z. B. bei 7,5 – eine unvollständige Therapiekontrolle und schlechte Lebensqualität implizierend.7 Etwa drei Viertel der Patient*innen gehen nicht mehr zu Ärzt*innen, weil sie der Meinung sind, dass ihnen die gängigen Medikamente nicht helfen oder sie selber wissen, was zu tun ist.8
Epidemiologie
In Deutschland leben derzeit mehr als eine halbe Million Menschen mit der Diagnose csU.
Die Zahlen zur Verteilung der Urtikaria-Patient*innen mit und ohne Angioödemen schwanken in der Literatur sehr stark, es wird angenommen, dass über 40 Prozent der Patient*innen unter Quaddeln und Angioödemen leiden4, was auch die Daten aus der Studie AWARE bestätigten7.
Erkrankungsdauer
Die meisten Patient*innen sind zwischen einem und fünf Jahren an der csU erkrankt; bei 14 Prozent dauert die Erkrankung mehr als fünf Jahre an. Es liegen aber auch Fälle vor, bei denen die Dermatose über mehrere Jahrzehnte – bis zu 50 Jahre – anhielt3. Es wurde festgestellt, dass alle Urtikaria-Formen Spontanremissionen aufweisen und die Erkrankung unabhängig von der therapeutischen Intervention verschwindet. Es lässt sich jedoch nicht vorhersagen, wann und bei welchen Patient*innen sie eintreten wird9.
Die Autoimmunerkrankung weist aktive und inaktive Phasen auf, wobei die Dauer der einzelnen Phasen variiert und es zum Teil auch zu einer andauernden Inaktivität kommen kann.
Referenzen
- Asthma and Allergy Foundation of America (AAFA), http://www.aafa.org/display.cfm?id=9&sub=23&cont=328, Zugriff am 14. November 2012.
- American Academy of Allergy Asthma & Immunology (AAAAI), http://www.aaaai.org/conditions-and-treatments/allergies/skin-allergy.aspx, Zugriff am 14. November 2012.
- Maurer M et al., Unmet clinical needs in chronic spontaneous urticaria. A GA(2)LEN task force report. Allergy 2011;66:317–330.
- Sánchez-Borges M et al., Diagnosis and Treatment of Urticaria and Angioedema: A Worldwide Perspective. World Allergy Organ 2012; 5:125-47.
- Balp M, et al. 2015. Burden of chronic spontaneous urticaria in comparison to psoriasis: European patient’s perspective. Oral presentation auf dem EAACI Congress 2015, Barcelona, Spanien, Abstract A-669-0019-01814.
- Weller K, et al. Management of chronic spontaneous urticaria in real life--in accordance with the guidelines? A cross-sectional physician-based survey study J Eur Acad Dermatol Venereol 2013;27:43–50.
- Maurer M, et al. 2015. : AWARE: Dokumentierte Krankheitslast und Behandlungsmuster bei 1750 CU-Patienten aus Deutschland. Poster präsentiert auf der 48. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), Berlin, Deutschland, Abstract P038.
- Maurer M, et al. ATTENTUS, a German online survey of patients with chronic urticaria highlighting the burden of disease, unmet needs and real-life clinical practice. British Journal of Dermatology (2016) 174, pp892–894.
- Maurer M et al., Diagnostik und Therapie der chronischen Urtikaria – was wird von Revision und Aktualisierung der internationalen Leitlinie erwartet? Ein Report der öffentlichen Konsensuskonferenz „URTICARIA 2012“, Allergo J 2013; 22(5):324-29.
- O'Donnell BF, Lawlor F, Simpson J. et al. 1997. The impact of chronic urticaria on the quality of life. Br J Dermatol 1997;136:197–201