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Netzwerkstatt Mammakarzinom mit Darstellung zentraler Elemente der  Brustkrebsversorgung und des Netzwerkmanagements

Häufige Fragen zum Thema Brustkrebs 

 

1. Was ist Brustkrebs eigentlich – und was passiert dabei in meinem Körper?

Das ist eine der wichtigsten Fragen, die Sie sich gerade stellen – und es ist gut, dass Sie sie stellen. Je besser Sie verstehen, was in Ihrem Körper passiert, desto leichter wird es, die nächsten Schritte zu gehen.

Erst einmal: Was ist die Brust überhaupt?
Ihre Brust besteht aus Fett-, Drüsen- und Bindegewebe. Im Inneren befinden sich Drüsenläppchen – das sind kleine Einheiten, in denen nach einer Geburt Muttermilch gebildet wird. Diese Drüsenläppchen sind über feine Milchgänge miteinander verbunden, die schließlich in der Brustwarze münden. Die Brust liegt dem Brustmuskel auf und wird von einem feinen Netz aus Blutgefäßen und Lymphbahnen durchzogen.

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Schematische Darstellung der Brust
  

Was passiert bei Brustkrebs?
Unser Körper erneuert seine Zellen ständig – das ist normal und lebensnotwendig. Manchmal verändert sich dabei eine Zelle so, dass sie sich nicht mehr an die normalen Regeln hält: Sie wächst unkontrolliert und teilt sich immer weiter. Genau das ist Krebs.

Bei Brustkrebs passiert das meist in den Zellen der Milchgänge – diese Form nennt man duktales Mammakarzinom und sie macht etwa 70–80 % aller Brustkrebserkrankungen aus. Seltener beginnt der Krebs in den Drüsenläppchen selbst – das ist dann ein lobuläres Mammakarzinom, das etwa 10–15 % der Fälle ausmacht.1

Brustkrebs ist eine systemische Erkrankung – was bedeutet das?
Das ist etwas, das wir gemeinsam verstehen müssen, weil es für Ihre weitere Behandlung wichtig ist.

„Systemisch" bedeutet: Brustkrebs betrifft nicht nur eine einzelne Stelle in Ihrer Brust. Krebszellen können sich – oft sehr früh und lange unbemerkt – über die Lymphbahnen oder die Blutbahn im Körper verteilen. Die Lymphbahnen durchziehen das gesamte Brustgewebe und sind Teil Ihres Immunsystems. Einzelne Krebszellen können sich vom ursprünglichen Tumor lösen und über diese Wege an andere Orte im Körper gelangen.

Das erklärt auch, warum eine Operation allein – so wichtig sie ist – oft nicht ausreicht: Selbst wenn der Tumor vollständig entfernt wurde, können einzelne Krebszellen im Körper zurückgeblieben sein, die man weder sehen noch spüren kann. Genau deshalb ist eine weiterführende Behandlung nach einer Operation so entscheidend. Dies wird häufig auch als adjuvante Therapie bezeichnet. Sie zielt darauf ab, auch diese unsichtbaren Zellen zu bekämpfen und das Risiko eines Rückfalls zu senken.

Und was haben Hormone damit zu tun?
Bei etwa zwei Dritteln aller Brustkrebspatientinnen wächst der Tumor hormonabhängig – das heißt, er hat Bindungsstellen (sogenannte Rezeptoren) für die weiblichen Hormone Östrogen oder Progesteron. Diese Hormone regen normalerweise das Wachstum von Brustdrüsenzellen an – leider aber auch das Wachstum hormonsensitiver Krebszellen. Die gute Nachricht: Genau hier kann eine gezielte Therapie ansetzen. Bestimmte Medikamente blockieren diese Rezeptoren und stoppen so das Wachstum des Tumors.

Brustkrebs ist häufig – Sie sind nicht allein
Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jedes Jahr erkranken über 70.000 Frauen2. Das bedeutet: Es gibt viel Erfahrung, viel Forschung und viele wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Und es bedeutet vor allem: Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen.

 

Welche Risikofaktoren gibt es – und warum könnte es mich betreffen?

Diese Frage stellen sich fast alle Patientinnen. Und sie ist absolut verständlich. Die ehrliche Antwort: In den meisten Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache für eine Brustkrebserkrankung benennen. Das kann merkwürdig klingen – aber es bedeutet auch: Es ist nicht Ihre Schuld.

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko erhöhen können. Manche davon sind beeinflussbar, andere nicht.

Faktoren, die Sie nicht beeinflussen können:

  • Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter, besonders ab 50 Jahren
  • Familiäre Vorbelastung: Wenn Mutter, Schwester oder Tochter an Brustkrebs erkrankt sind
  • Genetische Veranlagung: z. B. Veränderungen der BRCA-Gene
  • Frühe erste Periode oder später Beginn der Wechseljahre – beides verlängert die Zeit, in der der Körper Östrogen produziert
  • Kinderlosigkeit oder erste Geburt nach dem 30. Lebensjahr
  • Geringe oder keine Stillzeit


Faktoren, die beeinflussbar sind:

  • Erhöhter Alkoholkonsum
  • Rauchen
  • Übergewicht und ungesunde Ernährung
  • Hormonersatztherapie während und nach den Wechseljahren
  • Diabetes mellitus
  • Umwelteinflüsse, z. B. Strahlung


Was bedeutet das für Sie persönlich?
Vielleicht kennen Sie bei sich den einen oder anderen dieser Faktoren. Vielleicht nicht. Beides ist möglich – und beides ist kein Urteil über Ihren Lebensstil oder Ihre Entscheidungen. Brustkrebs kann jede Frau treffen, mit oder ohne Risikofaktoren.

Was jetzt zählt, ist nicht das Warum – sondern der nächste Schritt nach vorne.

 

  1. Früher Brustkrebs. Informationen für Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium (HR+/HER2-), FA-11376650-1, Stand 10/2025, Novartis Pharma AG.
  2. Zentrum für Krebsregisterdaten, Robert Koch-Institut (Stand: 30.09.2024).

 

2. Welche Arten von Brustkrebs gibt es – und welche habe ich?

„Brustkrebs" – dieses eine Wort klingt, als gäbe es nur eine Erkrankung. Dabei ist es eher ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Tumorformen. Das ist wichtig zu wissen, denn von der genauen Art Ihres Brustkrebses hängt ab, wie er behandelt wird – und welche Chancen die Therapie hat.

Erste Unterscheidung: Hat der Krebs sich ausgebreitet?
Die erste wichtige Frage ist, ob der Tumor auf die Brust begrenzt ist oder ob er sich bereits in andere Körperregionen ausgebreitet hat.

Brustkrebs im Frühstadium bedeutet, dass der Krebs noch keine Metastasen – also keine Tochtergeschwülste in anderen Organen – gebildet hat. Das ist die häufigste Form: Etwa vier von fünf Frauen erhalten diese Diagnose. Die Behandlungsmöglichkeiten und Heilungschancen sind hier besonders gut.

Metastasierter Brustkrebs bedeutet, dass Krebszellen über die Lymph- oder Blutbahnen in andere Körperregionen gewandert sind und sich dort angesiedelt haben. Etwa drei von 100 Frauen erhalten diese Diagnose direkt bei Erstdiagnose1. Bei Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium kann es im weiteren Verlauf zu einem Rückfall mit Metastasen kommen – auch das werden wir gemeinsam im Blick behalten.

Zweite Unterscheidung: Ist der Krebs bereits ins Gewebe eingewachsen?
Nicht-invasiver Brustkrebs (auch Brustkrebs-Vorstufe genannt) bedeutet, dass sich Zellen zwar krankhaft verändert haben, aber noch nicht in das umliegende Gewebe eingedrungen sind. Die bekannteste Vorstufe ist das DCIS (Ductales Carcinoma in situ) – echte Krebszellen in den Milchgängen, die noch „vor Ort" geblieben sind. Das DCIS ist in der Regel heilbar, wird aber ähnlich wie ein invasiver Tumor behandelt, um ein Fortschreiten zu verhindern.2

Invasiver Brustkrebs bedeutet, dass Krebszellen bereits in das umliegende Brustgewebe eingewachsen sind. Die zwei häufigsten Formen sind der invasive duktale Brustkrebs (entsteht in den Milchgängen, ca. 70–80 % der Fälle) und der invasive lobuläre Brustkrebs (entsteht in den Drüsenläppchen, ca. 10–15 % der Fälle). Bei den meisten Patientinnen lassen sich diese Formen gut behandeln – mit einer hohen Heilungschance.

Dritte Unterscheidung: Wie „tickt" der Tumor?
Das ist die Frage, die für Ihre ganz persönliche Behandlung besonders entscheidend ist. Dafür schaut man sich die Oberfläche der Krebszellen an: Trägt der Tumor bestimmte Bindungsstellen (Rezeptoren), die sein Wachstum antreiben?

Hormonrezeptorpositiver Brustkrebs (HR+): Der Tumor hat Andockstellen für die weiblichen Hormone Östrogen und/oder Progesteron – diese regen sein Wachstum an. Mit etwa 90 % ist das die häufigste Form. Die gute Nachricht: Genau dieser Mechanismus lässt sich gezielt blockieren.2

HER2-positiver Brustkrebs: Der Tumor trägt besonders viele Rezeptoren für den Wachstumsfaktor HER2, der sein Wachstum zusätzlich ankurbelt. Etwa 25–30 % der Brustkrebstumoren sind HER2-positiv. Auch hier gibt es wirksame, gezielte Therapien.2

Triple-negativer Brustkrebs: Der Tumor hat keine dieser Rezeptoren – er wächst unabhängig von Hormonen und HER2. Diese Form macht etwa 15 % der Fälle aus und gilt als aggressiver. Sie wird anders behandelt als hormonabhängige Formen.2

Und der Menopausenstatus – warum ist der wichtig?
Ob Sie sich vor oder nach den Wechseljahren befinden, spielt für die Wahl Ihrer Therapie eine entscheidende Rolle. Der Grund: Vor der Menopause produzieren die Eierstöcke noch aktiv Östrogen. Nach der Menopause übernehmen andere Körpergewebe diese Funktion in geringerem Maß. Je nachdem, in welcher Phase Sie sich befinden, wird Ihre Antihormontherapie entsprechend angepasst.

Was bedeutet das für Sie persönlich?
Diese verschiedenen Merkmale ergeben zusammen ein ganz individuelles Bild Ihrer Erkrankung. Kein Brustkrebs ist wie der andere – und deshalb ist auch keine Therapie wie die andere. Ich werde Ihnen erklären, welche dieser Merkmale bei Ihnen vorliegen und was das für Ihre Behandlung bedeutet.

Gut vorbereitet ins nächste Gespräch
Es ist völlig normal, dass in dieser ersten Phase viele Informationen auf Sie einprasseln. Damit Sie nichts Wichtiges vergessen und gut vorbereitet in unsere nächsten Gespräche gehen können, gibt es eine Checkliste für das Arztgespräch

 

  1. https://www.leben-mit-brustkrebs.de (Zuletzt aufgerufen am 12.03.2026).
  2. Früher Brustkrebs. Informationen für Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium (HR+/HER2-), FA-11376650-1, Stand 10/2025, Novartis Pharma AG.

 

3. Was bedeutet ein frühes Stadium im Vergleich zu metastasiertem Brustkrebs?

Als Sie Ihre Diagnose erhalten haben, sind wahrscheinlich viele Begriffe gefallen, die sich fremd und einschüchternd angefühlt haben. „Stadium", „Metastasen", „TNM" – das klingt erst einmal wie eine andere Sprache. Lassen Sie uns das gemeinsam entschlüsseln.

Wie wird Brustkrebs eingeteilt?
Ärztinnen und Ärzte weltweit nutzen ein einheitliches System, um Brustkrebserkrankungen zu beschreiben: die sogenannte TNM-Klassifikation. Hinter diesen drei Buchstaben steckt Folgendes:

  • T steht für die Tumorgröße – wie groß ist der Tumor, und wie weit hat er sich in der Brust ausgedehnt? (T1 bis T4)
  • N steht für die Lymphknotenbeteiligung – sind Lymphknoten in der Achselhöhle oder anderswo vom Tumor befallen? (N0 = keine, bis N3 = viele)
  • M steht für Metastasen – hat sich der Krebs bereits in andere Körperregionen ausgebreitet? 
    (M0 = nein, M1 = ja)

Aus diesen drei Werten ergibt sich dann das Tumorstadium – von Stadium I bis IV. Je höher das Stadium, desto weiter fortgeschritten ist die Erkrankung.1

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Schematische Darstellung der Stadieneinteilung von Brustkrebs nach dem TNM-System
   

Was bedeutet „frühes Stadium"?
Brustkrebs im Frühstadium (Stadium I, II oder III) bedeutet: Der Tumor hat noch keine Metastasen in anderen Organen gebildet (M0). Das ist die häufigste Diagnose – etwa vier von fünf Frauen erhalten sie.

Das bedeutet auch: Die Heilungschancen sind gut. In der Regel wird der Tumor operativ entfernt, danach folgen Bestrahlung und eine medikamentöse Therapie. Ziel ist die vollständige Heilung.

Dabei spielt auch die Frage eine Rolle, wie aggressiv der Tumor wächst. Dafür gibt es zwei weitere Werte:

  • Den Differenzierungsgrad (G1–G3): Er beschreibt, wie stark sich die Krebszellen von gesunden Zellen unterscheiden. G1-Tumoren wachsen langsam, G3-Tumoren aggressiver – und benötigen eine intensivere Therapie.
  • Den Ki-67-Index: Er misst, wie schnell sich die Tumorzellen teilen. Ein hoher Wert (ab 25 %) zeigt ein schnelles Wachstum an – solche Tumoren sprechen aber häufig gut auf eine Chemotherapie an, da diese vor allem schnell teilende Zellen angreift.1,2


Was bedeutet „metastasierter Brustkrebs"?
Metastasierter Brustkrebs bedeutet, dass Krebszellen die Brust verlassen haben und sich in anderen Körperregionen angesiedelt haben – zum Beispiel in den Knochen, der Lunge, der Leber oder – seltener – im Gehirn. Diese Ableger nennt man Metastasen. Das entspricht Stadium IV.

Etwa drei von 100 Frauen3 erhalten diese Diagnose direkt bei der Erstdiagnose. Häufiger entsteht metastasierter Brustkrebs als Rückfall – auch Rezidiv genannt – nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung eines frühen Brustkrebses.

Ein Rückfall kann auch lokal auftreten – das heißt, der Krebs kehrt in derselben Brust oder in der Brustwand zurück, ohne sich in andere Organe ausgebreitet zu haben. Das nennt man ein Lokalrezidiv.

Was ist der Unterschied in der Behandlung?
Das ist der entscheidende Punkt: Brustkrebs im Frühstadium wird mit dem Ziel der Heilung behandelt. Beim metastasierten Brustkrebs ist das Ziel ein anderes: die Erkrankung so lange wie möglich unter Kontrolle zu halten, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten. Metastasierter Brustkrebs ist heute in vielen Fällen eine chronische Erkrankung, mit der Frauen viele Jahre gut leben können.

Warum bleibt ein Rückfallrisiko – auch nach einer Operation?
Das ist etwas, das viele Patientinnen beschäftigt: „Der Tumor wurde doch entfernt – warum brauche ich dann noch eine weitere Behandlung?"

Die Antwort hängt damit zusammen, dass Brustkrebs eine systemische Erkrankung ist, wie wir bereits besprochen haben. Selbst wenn der Tumor vollständig entfernt wurde, können einzelne Krebszellen unsichtbar im Körper zurückgeblieben sein. Je mehr Lymphknoten befallen waren, desto höher ist das Risiko, dass solche Zellen vorhanden sind.

Genau deshalb ist die Weiterbehandlung nach der Operation so wichtig – sie zielt darauf ab, genau diese unsichtbaren Zellen zu bekämpfen und das Rückfallrisiko dauerhaft zu senken. Dranbleiben lohnt sich.

 

  1. Früher Brustkrebs. Informationen für Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium (HR+/HER2-), FA-11376650-1, Stand 10/2025, Novartis Pharma AG.
  2. S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms (Version 4.4).
  3. https://www.leben-mit-brustkrebs.de (Zuletzt aufgerufen am 12.03.2026).

 

4. Wie wird Brustkrebs diagnostiziert und was bedeuten meine Untersuchungsergebnisse?

Die Diagnose Brustkrebs kommt selten aus dem Nichts. Meistens steht am Anfang eine Auffälligkeit – ein Knoten, den Sie selbst ertastet haben, oder ein Befund beim Screening. Was danach folgt, kann sich anfühlen wie eine Flut an Untersuchungen. Hier ein Überblick, was die einzelnen Schritte bedeuten – und warum sie wichtig sind.

Der erste Schritt: Selbstuntersuchung und ärztliche Tastuntersuchung
Viele Frauen entdecken eine Veränderung in der Brust selbst – durch regelmäßiges Abtasten oder per Zufall. Wichtig zu wissen: Die meisten Knoten oder Veränderungen sind gutartig. Trotzdem gilt: Bei jeder Auffälligkeit – einem neuen Knoten, einer Formveränderung, einer Einziehung der Haut oder Absonderungen aus der Brustwarze – sollten Sie umgehend Ihre Gynäkologin oder Ihren Gynäkologen aufsuchen. Dort werden im Zuge einer Anamnese Beschwerden, Vorerkrankungen, familiäre Risiken und Lebensgewohnheiten erfasst, bevor weitere Untersuchungen durchgeführt werden.

Die Selbstuntersuchung ersetzt nicht die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung – sie ergänzt sie.


Die wichtigsten Untersuchungsverfahren1 


A Mammografie – Röntgen der Brust
Die Mammografie ist das wichtigste Verfahren zur Früherkennung und Diagnose von Brustkrebs. Mit einer speziellen Röntgenuntersuchung können selbst kleinste Verdichtungen oder Mikrokalkablagerungen im Brustgewebe sichtbar gemacht werden, die noch nicht tastbar sind.

Für die Aufnahme wird die Brust kurz zwischen zwei Platten zusammengedrückt – das kann unangenehm sein, schädigt das Gewebe aber nicht. Es werden Aufnahmen aus zwei Richtungen gemacht.

Heutzutage kommen auch moderne Weiterentwicklungen wie die 3D-Mammographie (Tomosynthese) oder die Kontrastmittel-Mammographie zum Einsatz, da sie eine noch höhere Genauigkeit bieten.

Im Rahmen des gesetzlichen Mammografie-Screening-Programms wird allen Frauen zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre eine kostenfreie Untersuchung angeboten.

B Sonografie – Ultraschall der Brust
Die Ultraschalluntersuchung ist schmerzlos, schnell und ohne jede Strahlenbelastung. Sie eignet sich besonders gut zur Ergänzung der Mammografie – zum Beispiel bei dichtem Brustgewebe, bei jüngeren Frauen oder zur Abklärung unklarer Mammografie-Befunde. Zysten (mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume) lassen sich im Ultraschall besonders gut von soliden Knoten unterscheiden. Diese Methode ist aber auch wichtig, um die Lymphknoten in der Achselhöhle zu beurteilen.

Die Elastografie ist eine mögliche Ergänzung zum Ultraschall, die die Gewebesteifigkeit misst. Da bösartige Tumoren oft härter sind als gutartiges Gewebe, kann dieses Verfahren helfen, verdächtige Befunde besser einzuordnen. 

C MRT – wenn mehr Klarheit nötig ist
Die Magnetresonanztomografie (MRT) liefert detaillierte Schnittbilder des Weichgewebes – ganz ohne Röntgenstrahlung. Sie ist kein Standardverfahren in der Routinediagnostik, wird aber eingesetzt, wenn Mammografie oder Ultraschall keine eindeutigen Ergebnisse liefern, oder bei Frauen mit erhöhtem genetischen Risiko.

D Weitere bildgebende Verfahren
Je nach Situation können zusätzliche Untersuchungen notwendig sein – zum Beispiel eine CT (Computertomografie) oder PET-CT, um die Ausbreitung des Tumors im Körper zu beurteilen, oder eine Szintigrafie zur Suche nach möglichen Knochenmetastasen. Welche Untersuchungen für Sie sinnvoll sind, entscheiden wir gemeinsam.
 

Die Biopsie – der entscheidende Schritt zur Diagnose


Kein bildgebendes Verfahren kann mit letzter Sicherheit sagen, ob eine Gewebeveränderung gut- oder bösartig ist. Das kann nur die Biopsie – die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe direkt aus der auffälligen Stelle.

Die Biopsie ist ein kleiner ambulanter Eingriff unter örtlicher Betäubung – Sie spüren dabei keinen Schmerz und können die Praxis noch am selben Tag verlassen. Meist wird eine feine Hohlnadel unter Ultraschallkontrolle in das verdächtige Gewebe vorgeschoben und mehrere kleine Proben entnommen (Stanzbiopsie). In bestimmten Fällen kommt eine Vakuumbiopsie zum Einsatz, bei der etwas mehr Gewebe entnommen wird – das erhöht die diagnostische Sicherheit.

Die entnommenen Proben werden dann von einem Pathologen unter dem Mikroskop untersucht. Dabei wird nicht nur geklärt, ob Krebszellen vorhanden sind – sondern auch, welche Rezeptoren die Tumorzellen tragen (Östrogen, Progesteron, HER2) und wie aggressiv die Zellen wachsen. Diese Informationen sind die Grundlage für Ihre individuelle Behandlung.

Die Wächterlymphknoten-Biopsie
Um zu prüfen, ob sich Krebszellen bereits in die Lymphknoten ausgebreitet haben, wird häufig der sogenannte Wächterlymphknoten untersucht – der Lymphknoten, der dem Tumor am nächsten liegt. Ist er frei von Tumorzellen, kann in der Regel davon ausgegangen werden, dass die Erkrankung noch auf die Brust begrenzt ist.

Flüssigbiopsie – ein modernes Ergänzungsverfahren
Eine neuere Methode ist die Flüssigbiopsie (Liquid Biopsy): Dabei wird statt Gewebe einfach Blut abgenommen und auf Tumorzellen oder genetische Veränderungen des Tumors untersucht. Sie ersetzt die klassische Gewebebiopsie nicht, kann aber wertvolle Zusatzinformationen liefern – zum Beispiel über das Rückfallrisiko oder das Ansprechen auf eine Therapie. 

 

  1. Früherkennung & Diagnose | Leben mit Brustkrebs (Zuletzt aufgerufen am 12.03.2026).

 

5. Welche Behandlungsmöglichkeiten für HR+/HER2- gibt es und warum wird mir genau diese Therapie empfohlen?

Es ist gut, dass Sie das fragen. Je besser Sie verstehen, was hinter dieser Therapie steckt und warum wir gemeinsam diesen Weg gewählt haben, desto sicherer werden Sie sich dabei fühlen. Und dieses Sicherheitsgefühl ist wichtig – es ist die Grundlage dafür, dass die Behandlung ihre volle Wirkung entfalten kann.

Was Ihr Befund bedeutet1 
Ihr Tumor ist hormonrezeptorpositiv und HER2-negativ – kurz HR+/HER2-. Das ist mit Abstand der häufigste Brustkrebstyp: Etwa drei Viertel aller Brustkrebserkrankungen gehören dazu. Was das konkret bedeutet: Die Krebszellen tragen auf ihrer Oberfläche viele Bindestellen für weibliche Hormone wie Östrogen. Diese Hormone regen das Tumorwachstum an. Das klingt erstmal beunruhigend – ist aber gleichzeitig eine wichtige Information, denn genau hier können wir therapeutisch ansetzen.


Welche Behandlungen es grundsätzlich gibt 
Bei frühem Brustkrebs wird mit dem klaren Ziel der Heilung behandelt – das nennt man kurative Behandlung. Es geht darum, den Krebs vollständig zu beseitigen und das Risiko eines Rückfalls so weit wie möglich zu minimieren. Dafür kommen in der Regel drei Behandlungsbausteine zum Einsatz – nicht immer alle, und nicht immer in derselben Reihenfolge:

Zunächst die lokalen Behandlungen, die direkt am Tumor ansetzen: die Operation zur Entfernung des Tumors – entweder brusterhaltend oder als vollständige Brustentfernung – sowie die Strahlentherapie, die anschließend verbliebene Krebszellen endgültig zerstören soll.

Ergänzend dazu kommen systemische, also medikamentöse Therapien, die über die Blutbahn im gesamten Körper wirken – auch dort, wo möglicherweise noch einzelne Krebszellen unbemerkt vorhanden sind. Bei HR+/HER2- Brustkrebs sind das vor allem die Antihormontherapie und zielgerichtete Therapien wie CDK4/6-Hemmer – bei erhöhtem Rückfallrisiko gegebenenfalls auch eine Chemotherapie.

Vor oder nach der Operation – was bedeutet das? 
Manchmal werden Teile der medikamentösen Therapie bereits vor der Operation eingesetzt – das nennt sich neoadjuvante Therapie. Ziel ist es, den Tumor vorab zu verkleinern, damit er leichter vollständig entfernt werden kann, und gleichzeitig zu sehen, wie gut er auf die Behandlung anspricht.

Die Therapie, die nach der Operation folgt, heißt adjuvante Therapie. Sie richtet sich gegen Krebszellen, die bei der Operation möglicherweise nicht entfernt werden konnten – sogenannte Mikrometastasen, die so klein sind, dass sie in bildgebenden Verfahren noch nicht sichtbar sind. Genau deshalb ist diese Anschlusstherapie so wichtig: Sie arbeitet unsichtbar, aber wirkungsvoll – und sie ist ein zentraler Baustein, um das Rückfallrisiko langfristig zu senken. Therapieverläufe sind dabei immer individuell und können in Dauer und Reihenfolge variieren.

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Möglicher Therapieverlauf der adjuvanten medikamentösen Therapie bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs
   

Warum bei HR+/HER2- oft eine Kombinationstherapie sinnvoll ist 
Bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs spielen neben den Hormonen zwei weitere Enzyme eine wichtige Rolle: CDK4 und CDK6. Sie sind in Krebszellen stärker aktiviert als in gesunden Zellen und treiben die Zellteilung an – manchmal sogar dann noch, wenn die Hormonversorgung bereits durch eine Antihormontherapie gebremst wird. Genau hier setzen CDK4/6-Hemmer an: Sie unterbrechen diesen zweiten Wachstumsmechanismus gezielt. In Kombination mit einer Antihormontherapie können sie das Rückfallrisiko weiter reduzieren.

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Prinzip der adjuvanten medikamentösen Therapie bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs
   

Warum genau diese Therapie für Sie 
Medizinische Leitlinien geben uns einen wichtigen Orientierungsrahmen – sie fassen zusammen, welche Behandlungen bei welchen Krebsarten wirken. Aber eine Leitlinie kennt nicht Ihr Leben. Nicht Ihren Alltag, Ihre Arbeit, Ihre Familie, Ihre Wünsche, Ihre Vorerkrankungen.

Deshalb wurde diese Entscheidung nicht über Ihren Kopf hinweg getroffen. Wir haben gemeinsam abgewogen – Ihr individuelles Rückfallrisiko, Ihre körperliche Situation, aber auch das, was Ihnen persönlich wichtig ist. Das nennt man Shared Decision Making, gemeinsame Entscheidungsfindung. Es ist heute anerkannter Standard guter medizinischer Praxis. Und Studien bestätigen, was viele Patientinnen aus eigener Erfahrung kennen: Wer versteht, warum man die ausgewählte Therapie macht, und wer dahintersteht, kommt besser und motivierter durch die Therapie.

Zusätzlich wurde Ihre Behandlung in einer Tumorkonferenz besprochen – einem regelmäßigen Treffen von Ärztinnen und Ärzten verschiedener Fachrichtungen, die gemeinsam individuelle Behandlungspläne erarbeiten. Hinter dieser Empfehlung steckt also nicht eine einzelne Meinung, sondern gebündeltes Fachwissen – das eigens für Ihre Situation zusammengetragen wurde.

Dranbleiben – auch wenn es manchmal schwerfällt 
Eine Langzeittherapie ist kein geradliniger Weg. Es kann Momente geben, in denen der Alltag dazwischenkommt, Nebenwirkungen auftreten oder die Motivation ins Wanken gerät. Das kennen viele Patientinnen – und es ist völlig menschlich. Was dabei hilft: zu wissen, warum man es tut. Diese Therapie arbeitet jeden Tag für Sie – auch dann, wenn Sie es nicht spüren. Jede eingenommene Tablette, jede Spritze ist ein aktiver Schritt, mit dem Sie Ihr Rückfallrisiko weiter senken.

Und wenn doch mal etwas nicht stimmt – eine Nebenwirkung, eine Frage, ein Bauchgefühl: Das offene Gespräch mit uns ist immer der beste Weg. Nicht weil Sie müssen, sondern weil wir gemeinsam fast immer eine Lösung finden, die besser zu Ihrem Leben passt. Sie müssen das nicht alleine tragen.

Falls Sie sich bei etwas grundlegend unsicher fühlen, haben Sie außerdem jederzeit das Recht, eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen. Das ist ein ganz normaler und legitimer Teil der gemeinsamen Entscheidungsfindung.

 

  1. Früher Brustkrebs. Informationen für Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium (HR+/HER2-), FA-11376650-1, Stand 10/2025, Novartis Pharma AG.

 

6. Welche Nebenwirkungen können im Rahmen der Kombinationstherapie aus endokriner Therapie und CDK 4/6-Hemmer auftreten – und wie kann ich damit umgehen?

Es ist völlig normal, dass Sie sich fragen, was diese Therapie mit Ihrem Körper macht – und wie Sie damit umgehen können. Ich möchte heute offen mit Ihnen darüber sprechen, was auftreten kann, aber vor allem auch: was Sie selbst tun können, damit es Ihnen so gut wie möglich geht.

Was kann auftreten – und warum? 
Sie erhalten zwei Medikamente gleichzeitig: einen CDK4/6-Hemmer und eine antihormonelle Therapie. Beide Behandlungen können Nebenwirkungen verursachen – und manchmal ist es gar nicht so einfach zu sagen, welches Medikament was auslöst. Das ist kein Grund zur Sorge – aber ein guter Grund, aufmerksam zu sein und mir alles zu berichten, was Sie bemerken.

Wichtig zu wissen: Diese Therapie ist keine Chemotherapie. Sie greift gezielt in das Wachstum von Krebszellen ein, ohne dabei gesunde Zellen breit zu schädigen. Die Nebenwirkungen sehen deshalb anders aus als das, was manche Frauen von einer Chemo kennen.

Durch den CDK4/6-Hemmer können auftreten: Müdigkeit und Erschöpfung (sog. Fatigue), Haarausdünnung, Hautausschlag, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall oder Verstopfung, Übelkeit sowie Veränderungen der Blutwerte oder Leberwerte. Deshalb sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen, Bluttests und manchmal auch ein EKG wichtiger Bestandteil Ihrer Behandlung.

Durch die antihormonelle Therapie können auftreten: Gelenk- und Muskelschmerzen, Steifheitsgefühl (besonders morgens), Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Scheidentrockenheit, Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme und Knochenschmerzen. Hintergrund: Durch den Hormonentzug können sich Sehnen und Muskeln leicht verkürzen, was sich wie ein Ziehen an den Gelenken anfühlt.

Das klingt erst mal nach viel – aber: Viele Frauen haben nur einzelne dieser Beschwerden, und die meisten lassen sich gut managen. Außerdem gilt: Die Stärke von Nebenwirkungen sagt nichts darüber aus, ob Ihre Therapie wirkt.
 

Was Sie selbst tun können – praktische Tipps 


Bei Müdigkeit und Erschöpfung: Verteilen Sie körperliche Aktivitäten gleichmäßig über den Tag. Schon 15 Minuten Bewegung an der frischen Luft können Ihr Energieniveau spürbar verbessern – versuchen Sie, sich dabei jeden Tag ein kleines bisschen zu steigern. Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus und kurze Ruhepausen. Vermeiden Sie bitte das Fahren oder Bedienen von Maschinen, wenn Sie sich kraftlos oder schwindelig fühlen.

Bei Gelenk- und Muskelschmerzen: Bewegung ist hier – auch wenn es paradox klingt – eines der wirksamsten Mittel. Yoga, Walken oder gezielte Dehnübungen helfen, die Gelenke beweglich zu halten. Für die Finger gibt es spezielle Übungen, die Sie einfach googeln können – sie fördern nebenbei auch die Konzentration. Bei stärkeren Beschwerden kann ich Ihnen gerne eine Überweisung zur Physiotherapie ausstellen.

Bei Hitzewallungen: Regelmäßige Bewegung, bei der Sie leicht ins Schwitzen kommen (mindestens dreimal pro Woche) kann helfen, die Intensität der Wallungen mit der Zeit zu reduzieren. Und hier noch ein bewährter Tipp: Tauchen Sie zwei- bis dreimal täglich Ihre Unterarme für etwa eine halbe Minute in kaltes Wasser. Es braucht ein paar Tage, bis es wirkt – aber viele Frauen erleben danach eine deutliche Verbesserung.

Bei Übelkeit: Nehmen Sie Ihre Medikamente immer zu einer Mahlzeit ein, nie auf nüchternen Magen. Kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, leicht verdauliche Speisen und ausreichend klare Flüssigkeiten helfen. Kamillentee ist ein einfaches, aber wirksames Hausmittel – und er hat keine Wechselwirkungen mit Ihrer Therapie.

Bei Durchfall: Trinken Sie viel, meiden Sie Milchprodukte, Alkohol, Koffein und stark ballaststoffreiche Speisen. Bitte nehmen Sie die verschriebenen Präparate trotzdem konsequent ein.
Bei Haarausdünnung: Waschen und bürsten Sie Ihr Haar schonend. Schützen Sie die Kopfhaut vor der Sonne mit einem Hut oder Sonnencreme ab Lichtschutzfaktor 30.


Dranbleiben – warum es sich wirklich lohnt 


Ich weiß, dass es Tage geben kann, an denen Sie am liebsten aufhören würden. Das ist ein Gefühl, das viele Frauen kennen – und das ich sehr ernst nehme. Deshalb möchte ich Ihnen etwas Wichtiges mitgeben:

Studien zeigen, dass mit jedem Jahr, in dem die antihormonelle Therapie konsequent fortgeführt wird, das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, um durchschnittlich 37 % sinkt.1 Und weil mehr als die Hälfte aller Rückfälle bei hormonsensitivem Brustkrebs erst ab dem fünften Jahr nach der Diagnose auftreten1, ist die Therapietreue gerade im Verlauf so entscheidend. Jeder Schritt, den Sie auf diesem Weg gehen, bringt Sie Ihrem Ziel näher: langfristig gesund zu bleiben.

Das Wichtigste: Sprechen Sie mit mir 
Bitte kommen Sie auf mich zu, wenn Nebenwirkungen auftreten – auch wenn sie Ihnen klein oder unwichtig erscheinen. Auch dann, wenn etwas auftritt, das nicht auf dieser Liste steht. Es gibt bei fast jeder Beschwerde eine Möglichkeit, zu helfen: eine Dosisanpassung, ein zusätzliches Medikament, eine Überweisung oder einfach das Wissen, dass etwas normal ist. Sie müssen das nicht alleine tragen. Ich bin Ihr:e Ansprechpartner:in – und wir gehen diesen Weg gemeinsam.
 

  1. https://www.leben-mit-brustkrebs.de/dranbleiberinnen (Zuletzt aufgerufen am 16.03.2026).

 

7. Was bedeutet Rückfallrisiko und welchen Vorteil hat eine adjuvante Kombinationstherapie?

Sie haben so viel geschafft. Und genau deshalb ist jetzt der richtige Moment, weiterzudenken.

Die Operation liegt hinter Ihnen, vielleicht auch die Bestrahlung oder eine Chemotherapie. Verständlich, dass Sie sich jetzt am liebsten sagen würden: geschafft, der Krebs ist besiegt. Und ja – Sie haben wirklich Enormes geleistet. Aber damit Sie über Ihre Chancen informiert sind, möchten wir gemeinsam mit Ihnen noch einen wichtigen Schritt weiterdenken.

Denn Brustkrebs ist eine sogenannte systemische Erkrankung. Das bedeutet: Auch wenn der Tumor erfolgreich entfernt wurde, können mikroskopisch kleine Krebszellen im Körper zurückbleiben. Unsichtbar, nicht nachweisbar, aber möglicherweise vorhanden. Diese Zellen können, müssen aber nicht, später wieder aktiv werden. Genau darum geht es, wenn wir über das Rückfallrisiko sprechen.

Was bedeutet Rückfallrisiko? 
Das Rückfallrisiko beschreibt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Brustkrebserkrankung nach der ersten Behandlung zurückkommt. Wie hoch dieses Risiko bei Ihnen persönlich ist, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Die Biologie Ihres Tumors: Wie aggressiv sind die Krebszellen? Wie schnell teilen sie sich? Reagieren sie auf Hormone?
  • Das Stadium der Erkrankung bei der Erstdiagnose: Wie groß war der Tumor? Waren Lymphknoten betroffen?
  • Ihr Alter und Ihr allgemeiner Gesundheitszustand.


Wichtig zu wissen: Die Zahlen, über die wir sprechen, sind statistische Werte aus großen Studien. Sie beschreiben, was in großen Gruppen von Patientinnen beobachtet wurde – nicht, was zwingend bei Ihnen eintreten wird. Ihr individuelles Risiko beurteilen wir gemeinsam, auf Basis Ihrer ganz persönlichen Situation.

Was die Wissenschaft uns aber klar zeigt: Bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs bleibt das Rückfallrisiko über viele Jahre bestehen – auch lange nach dem Ende der ersten Therapie. Mehr als die Hälfte aller Rückfälle treten erst fünf oder mehr Jahre nach der Erstdiagnose auf, sogenannte Spätrezidive.1 Rund 90 Prozent aller Rückfälle sind Fernmetastasen2 – das heißt, der Krebs siedelt sich in anderen Organen an. Eine Situation, die wir mit der Ihrer Therapie gemeinsam verhindern möchten.

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Schematische Darstellung des Rückfallrisikos bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs im Zeitverlauf
   

Was ist eine adjuvante Kombinationstherapie – und was bringt sie Ihnen? 
Adjuvant bedeutet: ergänzend, unterstützend – also eine Behandlung, die nach der Operation dafür sorgt, dass verbliebene Krebszellen keine Chance bekommen, sich neu zu entwickeln.

Bei Ihrem Brustkrebs – dem hormonrezeptorpositiven Typ – reagieren die Tumorzellen auf Hormone wie Östrogen. Das ist der Angriffspunkt der antihormonellen Therapie: Sie entzieht dem Tumor sozusagen seinen Treibstoff. Viele Patientinnen beschreiben diese Therapie als ihre “persönliche Lebensversicherung”. Und das trifft es gut: Es ist eine Behandlung, die jeden Tag im Hintergrund für Sie arbeitet.

Wenn Ihr Rückfallrisiko als erhöht eingeschätzt wird, kann diese antihormonelle Therapie gezielt verstärkt werden – durch die Kombination mit einem CDK4/6-Hemmer. Was bedeutet das konkret für Sie?

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Prinzip der adjuvanten medikamentösen Therapie bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs
   

Der CDK4/6-Hemmer greift an einem zweiten Punkt an: Er bremst direkt den Teilungszyklus der Krebszellen – unabhängig vom Hormonsignal. Antihormonelle Therapie und CDK4/6-Hemmer wirken also auf zwei verschiedenen Wegen gleichzeitig. Das ist der entscheidende Vorteil der Kombination: Zwei Mechanismen, die gemeinsam dafür sorgen, dass verbleibende Krebszellen weder wachsen noch sich weiterentwickeln können. 

Und noch etwas Wichtiges: Die Therapie mit einem CDK4/6-Hemmer kann in einem begrenzten Zeitraum auch noch nach Beginn einer Antihormontherapie hinzugefügt werden. Wenn Sie also bisher noch keine Kombinationstherapie erhalten haben, ist das Gespräch darüber auch jetzt noch sinnvoll. 

Dranbleiben – der vielleicht wichtigste Teil der Therapie. 
Alle Therapien können nur dann ihr volles Potenzial entfalten, wenn sie konsequent eingenommen werden. Das klingt selbstverständlich – ist es aber im Alltag nicht immer. Nebenwirkungen, Erschöpfung, das Gefühl, dass man die Tablette auch mal weglassen könnte, wenn es gerade gut geht – das kennen viele Patientinnen.

Deshalb: Sprechen Sie mit uns. Offen, ehrlich, auch über das, was Sie belastet. Denn oft gibt es Wege, Nebenwirkungen zu lindern oder andere Unterstützung zu finden – aber bitte immer in Absprache mit uns, nicht auf eigene Faust. Eine Dosisänderung zum Beispiel sollten Sie bitte immer mit uns besprechen. 

Wenn Sie verstehen, warum diese Therapie wichtig ist, fällt es Ihnen leichter, auch an schwierigen Tagen weiterzumachen. Werden Sie zur Expertin Ihrer eigenen Erkrankung. Stellen Sie Fragen. Je mehr wir gemeinsam wissen und besprechen, desto besser können wir Ihre Therapie an Ihr Leben anpassen. Dranbleiben lohnt sich. Nicht nur statistisch – sondern für Sie. 

 

  1. https://www.leben-mit-brustkrebs.de/dranbleiberinnen (Zuletzt aufgerufen am 16.03.2026).
  2. Robert-Koch-Institut. Krebs in Deutschland für 2021-2023.

 

8. Was kann ich selbst aktiv tun, um meine Erkrankung und Therapie zu unterstützen?

Diese Frage höre ich oft – und ich finde sie sehr gut. Denn der Wunsch, selbst etwas beizutragen, ist nicht nur verständlich, er ist auch medizinisch sinnvoll. Sie sind keine passive Empfängerin einer Therapie. Sie sind aktiv dabei. Und das macht einen großen Unterschied.

Das Wichtigste zuerst: Dranbleiben 
Wenn ich Ihnen einen einzigen Tipp mitgeben dürfte, wäre es dieser: Nehmen Sie Ihre Medikamente – jeden Tag, konsequent, über die gesamte Dauer der Therapie.

Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Studien zeigen, dass bei frühem Brustkrebs etwa die Hälfte aller Patientinnen, die eine antihormonelle Therapie erhalten, die Therapie vorzeitig abbricht.1-3 Und die Gründe dafür sind meist gut nachvollziehbar: Nebenwirkungen, der Alltag, das Gefühl, dass es einem ja wieder gut geht.

Aber: Mit jedem Jahr, in dem die adjuvante Therapie konsequent fortgeführt wird, sinkt das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, um durchschnittlich 37 %.4 Und weil mehr als die Hälfte aller Rückfälle bei hormonsensitivem Brustkrebs erst nach dem fünften Jahr auftreten,5 ist Dranbleiben gerade im Verlauf so entscheidend – auch dann, wenn Sie sich längst gesund fühlen.

Routine schlägt Motivation 
Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Sie jeden Tag motiviert sind. Das sind die wenigsten Menschen. Was wirklich hilft, ist Routine.

Verknüpfen Sie die Tabletteneinnahme mit etwas, das Sie sowieso täglich tun – dem Zähneputzen, dem Frühstück, dem Schlafengehen. Irgendwann passiert es einfach, ohne dass Sie groß darüber nachdenken müssen.

Und falls Sie einmal eine Einnahme vergessen haben: kein Grund zur Panik. Machen Sie am nächsten Tag einfach weiter. Was zählt, ist das große Bild – und das heißt: Dranbleiben. Jeder Tag bietet die Chance für einen Neustart.

Kommen Sie zu Ihren Kontrolluntersuchungen 
Ihre Kontrolltermine sind ein wichtiger Teil der Therapie. Manche Nebenwirkungen zeigen sich nicht durch Symptome, sondern nur in Blutwerten oder im EKG. Deshalb schauen wir regelmäßig hin: nicht weil wir etwas Schlimmes erwarten, sondern weil wir es früh erkennen wollen, falls etwas ist. Das gibt uns die Möglichkeit, schnell zu reagieren – und Ihnen die Sicherheit, dass Sie gut begleitet werden.

Sprechen Sie mit mir – über alles 
Das Wichtigste, was Sie für Ihre Therapie tun können – neben dem Dranbleiben, ist: reden Sie mit mir. Offen. Über Nebenwirkungen, über Zweifel, über Tage, an denen Sie nicht mehr können.
Nebenwirkungen sind ein häufiger Grund, warum Frauen die Therapie unterbrechen oder abbrechen. Aber viele Nebenwirkungen lassen sich gut managen – durch eine Dosisanpassung, durch begleitende Medikamente, durch nicht-medikamentöse Maßnahmen. Wir finden fast immer eine Lösung. Aber nur, wenn ich weiß, was Sie belastet.

Bewegen Sie sich – auf Ihre Art 
Bewegung kann Ihnen helfen, die Brustkrebs-assoziierte Müdigkeit zu verringern und Ihr allgemeines Wohlbefinden zu verbessern.5

Das bedeutet nicht, dass Sie jetzt joggen müssen. Es bedeutet: Finden Sie eine Bewegungsform, die Ihnen gefällt – und die Sie tatsächlich durchhalten. Dreimal pro Woche, 30 bis 45 Minuten, in einem Tempo, bei dem Sie sich noch unterhalten könnten.6 Das kann ein Spaziergang sein, Walken, Schwimmen, Radfahren, Yoga, Pilates. Alles zählt.

Wenn Sie bisher wenig Sport gemacht haben: Fangen Sie klein an. Einmal um den Häuserblock, dann zweimal. Der erste Schritt ist der wichtigste. Und wenn Sie jemanden finden, der mitkommt – eine Freundin, eine Nachbarin, eine Gruppe – ist es erfahrungsgemäß viel leichter dranzubleiben. 

Ernähren Sie sich gut – ohne sich zu kasteien 
Ich erlebe es häufig, dass Patientinnen nach einer Diagnose das Gefühl haben, jetzt müssten sie ihre Ernährung komplett umstellen, am besten nach irgendeiner strikten Diät.
Meine ehrliche Einschätzung: Eine ausgewogene, mediterrane Kost – viel Gemüse, hochwertiges Öl, gelegentlich Fisch oder Fleisch, wenig Zucker und Alkohol – ist das, was wirklich guttut.6

Und: Genießen Sie auch mal etwas. Ein Stück Kuchen, gelegentlich ein Glas Wein – das macht Ihre Therapie nicht zunichte. Was zählt, ist das Muster, nicht der Ausnahmetag.

Wenn Sie konkrete Fragen zur Ernährung haben oder unsicher sind, empfehle ich Ihnen eine Ernährungsberatung. Viele Brustzentren bieten das an.

Holen Sie sich Unterstützung für Ihre Seele 
Eine Krebsdiagnose verändert alles – und das ist keine Übertreibung. Es ist völlig normal, dass Angst einzieht. Sie bleibt oft ein Begleiter, auch wenn es Ihnen körperlich gut geht.

Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist eine Reaktion auf eine außergewöhnliche Situation, für die wir in unserem Alltag keine fertigen Bewältigungsstrategien mitbringen.

Psychoonkologinnen und Psychoonkologen sind Fachleute, die genau dafür ausgebildet sind – für den Umgang mit Diagnose, Therapie, Angst und allem, was dazugehört. Viele Brustzentren haben Psychoonkologen im Team. Auch wenn die Wartezeiten außerhalb der Klinik manchmal länger sind: Es lohnt sich, nachzufragen. Ein erstes Gespräch kann schon viel bewegen.

Lassen Sie sich helfen – und bitten Sie aktiv darum
Noch etwas, das ich Ihnen mitgeben möchte: Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen.

Viele Frauen finden es schwer, Hilfe anzunehmen. Aber Ihr Umfeld – Familie, Freundinnen, Nachbarinnen – möchte meistens helfen. Sie wissen nur oft nicht wie. Machen Sie es ihnen leicht: Sagen Sie konkret, was Sie brauchen, wie zum Beispiel “Kannst du heute bitte für mich einkaufen gehen?” Das macht es beiden Seiten leichter.

Selbsthilfegruppen, auch online, können ebenfalls wertvoll sein – als Ort, wo Menschen sind, die verstehen, was Sie durchmachen. Ihr Brustzentrum kann Ihnen Kontakte vermitteln.

Und falls Sie sich um Bürokratisches kümmern müssen, um den Schwerbehindertenausweis oder Sozialleistungen: Der Sozialdienst im Brustzentrum ist Ihre erste Anlaufstelle. Nutzen Sie das Angebot.

 

  1. Paranjpe R, et al. Breast Cancer Res Treat. 2019;174(2):297-305;
  2. Murphy CC, et al. Breast Cancer Res Treat. 2012;134(2):459-478;
  3. Moon Z, et al. Patient Prefer Adherence. 2017;11: 305-322;
  4. Zheng D, Thomas J. Breast Cancer Res Treat. 2023;201:89–104;
  5. https://www.leben-mit-brustkrebs.de/dranbleiberinnen (Zuletzt aufgerufen am 16.03.2026).
  6. https://www.leben-mit-brustkrebs.de/leben/bewegung-und-sport (Zuletzt aufgerufen am 16.03.2026).

 

9. Wo finde ich verlässliche Informationen, Hilfsangebote und Orientierung?

Es ist ganz natürlich, dass Sie nach der Diagnose anfangen zu suchen – im Internet, in Büchern, überall. Der Wunsch, alles zu verstehen und selbst aktiv zu sein, ist gut und richtig.

Aber nicht alles, was man im Netz findet, ist verlässlich. Deshalb möchte ich Ihnen heute einige Anlaufstellen nennen, auf die Sie sich wirklich verlassen können – für medizinische Informationen, für Unterstützung im Alltag und für den Austausch mit anderen Betroffenen.

Hier finden Sie verständlich aufbereitete Informationen rund um Ihre Erkrankung und Therapie, praktische Tipps für den Alltag und Erfahrungsberichte anderer Frauen.

Wenn Sie medizinische Fragen haben 
Für fundierte medizinische Informationen empfehle ich Ihnen den Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums. Dort können Sie sich kostenlos und vertraulich beraten lassen – telefonisch oder online.

Kostenlose Hotline: 0800 – 420 30 40 
Website: www.krebsinformationsdienst.de


Für allgemeine Informationen rund um Krebs stehen außerdem zur Verfügung:


Wenn Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen möchten 
Manchmal tut es gut, mit jemandem zu sprechen, der wirklich versteht, was Sie durchmachen – aus eigener Erfahrung. Patient:innenorganisationen und Selbsthilfegruppen bieten genau das: erlebte Kompetenz, echten Austausch und praktische Tipps, die im Alltag wirklich funktionieren. 

Diese Organisationen sind besonders empfehlenswert:


Ihr Brustzentrum kann Ihnen außerdem Kontakte zu örtlichen Gruppen vermitteln – fragen Sie einfach nach.

Wenn Sie Unterstützung für die Seele suchen 
Eine Krebsdiagnose ist eine außergewöhnliche Belastung – körperlich und seelisch. Psychoonkologinnen und Psychoonkologen sind speziell ausgebildet, um Ihnen dabei zu helfen, mit Ängsten, Sorgen und der veränderten Lebenssituation umzugehen.

Auch Seelsorgerinnen und Seelsorger aller Konfessionen können eine wertvolle Anlaufstelle sein – unabhängig davon, ob Sie religiös sind oder einfach ein offenes Ohr suchen.

Wenn Sie soziale und finanzielle Fragen haben 
Viele Patientinnen wissen nicht, welche Unterstützung ihnen zusteht – dabei gibt es einiges, das Ihnen helfen kann.

Der Sozialdienst Ihres Brustzentrums kann dafür Ihre erste Anlaufstelle sein. Er hilft Ihnen bei der Beantragung von Hilfsmitteln, bei sozialrechtlichen Fragen und beim Ausfüllen von Formularen.

Wichtig zu wissen: Bei frühem Brustkrebs wird in den ersten Jahren nach der Diagnose in der Regel ein Schwerbehindertengrad von mindestens 50 % anerkannt. Das bringt konkrete Vorteile mit sich – zusätzliche Urlaubstage, steuerliche Erleichterungen und einen besonderen Kündigungsschutz. Lassen Sie sich dazu beraten, bevor Sie einen Antrag stellen.

Weitere Informationen zu sozialen und finanziellen Möglichkeiten finden Sie bei:



Ich weiß, dass das viele Informationen auf einmal sind. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen. Und denken Sie daran: Sie müssen nicht alles allein herausfinden. Ich bin für Sie da – und es gibt ein ganzes Netzwerk an Menschen und Organisationen, die Ihnen helfen wollen.

Fangen Sie mit dem an, was sich für Sie gerade richtig anfühlt. Manchmal ist das ein Telefonat mit dem Krebsinformationsdienst. Manchmal ist es die erste Selbsthilfegruppe. Manchmal ist es einfach, diese eine Website aufzurufen und zu lesen, dass andere Frauen genau das fühlen, was Sie gerade fühlen.

(Hinweis für die Ärzt:innen: Eine gedruckte Adressliste mit allen genannten Anlaufstellen kann als Handout mitgegeben werden. Das Brustzentrum vermittelt auf Wunsch direkte Kontakte zu Selbsthilfegruppen, Psychoonkolog:innen und weiteren unterstützenden Angebote).

 

10. Was finde ich Hilfreiches im Starterkit?

Weiterlesen? Den vollständigen Artikel finden Sie nach Login.

11. Welche Brustkrebsarten gibt es?

Es ist gut, dass Sie das fragen. „Brustkrebs" klingt wie eine einzige Erkrankung – dabei ist es ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Tumorformen. Von der Art Ihres Brustkrebses hängen Ihre Behandlungsmöglichkeiten und auch Ihre Heilungschancen ab. Deshalb lohnt es sich, hier gemeinsam genauer hinzusehen.

Zuerst: Ist der Krebs ins umliegende Gewebe eingewachsen?

Von einem nicht-invasiven Brustkrebs oder einer Brustkrebs-Vorstufe spricht man, wenn sich Brustzellen so verändert haben, dass sie zur Krebszelle werden könnten. Entdeckt wird das meist bei einer Vorsorge-Mammografie, in Form kleiner Kalkablagerungen in den Milchgängen oder -drüsen. Je nach Lage werden verschiedene Vorstufen unterschieden.

Dringen die Zellen von den Milchgängen oder -drüsen aus in das umliegende Gewebe ein, spricht man von invasivem Brustkrebs.


Wo der Tumor entsteht
Bei Brustkrebs betreffen die Zellveränderungen meist die Zellen der Milchgänge – das ist der duktale Brustkrebs, zu dem etwa 70–80 % der invasiven Brustkrebserkrankungen gehören. Die Veränderungen können aber auch von den Drüsenläppchen ausgehen: der lobuläre Brustkrebs, der etwa 10–15 % aller Brustkrebsfälle ausmacht.1 Auch Mischformen sind möglich. 
 

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Schematische Darstellung der weiblichen Brust
   

Die Rezeptoren – entscheidend für Ihre Behandlung

Brustkrebszellen können auf ihrer Oberfläche Bindestellen für bestimmte Botenstoffe tragen, sogenannte Rezeptoren. Drei davon spielen für die Behandlung eine wichtige Rolle: der Östrogenrezeptor, der Progesteronrezeptor und der HER2-Rezeptor. Ihr Befund hält fest, welche davon bei Ihnen vorliegen – daraus ergibt sich, welche Behandlungen für Sie infrage kommen.

Ein hormonrezeptorpositiver (HR+) Brustkrebs reagiert besonders empfindlich auf die weiblichen Hormone Östrogen und/oder Progesteron. Binden diese Hormone an ihre Rezeptoren auf der Krebszelle, wird das Tumorwachstum angeregt – der Brustkrebs wächst hormonabhängig.2 Etwa 90 % der Brustkrebstumoren sind HR+.3

Beim HER2-positiven Brustkrebs trägt die Tumorzelloberfläche besonders viele Rezeptoren für den humanen epidermalen Wachstumsfaktor HER2. Alle gesunden Zellen tragen HER2-Rezeptoren, aber deutlich weniger als HER2-positive Krebszellen. Die Bindung von HER2 regt diese Zellen zu unkontrolliertem Wachstum an. Etwa 15 % aller Brustkrebstumoren sind HER2-positiv.2

Beim HER2-negativen (HER2–) Brustkrebs finden sich dagegen nur wenige oder gar keine HER2-Rezeptoren. Das bedeutet: Das Tumorwachstum wird hier nicht durch den Wachstumsfaktor HER2 beeinflusst.

Haben die Krebszellen keine oder nur sehr wenige Rezeptoren für Hormone und für HER2, spricht man von einem triple-negativen Brustkrebs. Diese Form wächst besonders schnell und gilt als aggressiv.2 Etwa 10 % der Patientinnen haben einen triple-negativen Brustkrebs und sind häufig erblich vorbelastet.2,3


Ihr Menopausenstatus gehört mit dazu

Für die Wahl der Behandlung und für die Prognose ist entscheidend, ob Sie vor oder nach dem Eintritt der Wechseljahre erkranken. Unterschieden wird zwischen prämenopausal (vor dem Eintritt der natürlichen Wechseljahre), perimenopausal (der Übergangszeit, häufig mit unregelmäßiger Menstruation) und postmenopausal (nach der letzten Menstruation). Die meisten Frauen erkranken postmenopausal.3 Ermittelt wird Ihr Status anhand Ihrer Menstruationsanamnese und mithilfe von Hormonbestimmungen. 


Und die Stadien? Was hinter TNM steckt

Brustkrebserkrankungen werden nach der internationalen TNM-Klassifikation eingeteilt. T steht für die Tumorgröße und -ausdehnung (T1 bis T4), N für die Lymphknotenbeteiligung (N0, N1 bis N3), M für den Nachweis von Metastasen (M0 oder M1). Diese Einteilung ist das Ergebnis verschiedener Diagnostikmethoden wie Biopsie oder Bildgebung: Sie erleichtert die Beschreibung des Tumors und bildet die Grundlage für Ihre weitere Behandlung.2

Auf dieser Basis wird die Erkrankung in eines von vier Tumorstadien (I–IV) eingeteilt. Je höher das Stadium, desto weiter fortgeschritten die Erkrankung. Früher Brustkrebs hat das Stadium I, II oder III und ist negativ für Metastasen (M0).2

Ein Punkt, der oft überrascht: Selbst wenn keine (N0) oder nur wenige (N1) Lymphknoten befallen sind, kann ein höheres Rückfallrisiko bestehen. Dabei gilt: Je mehr Lymphknoten betroffen sind, desto höher ist das Risiko für einen möglichen Rückfall.4
 

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​​Schematische Darstellung der Stadieneinteilung von Brustkrebs nach dem TNM-System​
   


Wie schnell wächst der Tumor? 

Zusätzlich zum Stadium wird das Wachstumsverhalten beurteilt – über den Differenzierungsgrad. Er wird an einer Gewebeprobe ermittelt. Dabei wird untersucht, wie stark sich die Brustkrebszellen von gesunden Brustzellen unterscheiden:2

G1 – gut differenzierte Krebszellen, langsam wachsender Tumor
G2 – mäßig differenzierte Krebszellen, mittelschnell wachsender Tumor
G3 – schlecht differenzierte Krebszellen, aggressiv wachsender Tumor

Die Zahl kann auf den ersten Blick irritieren, weil ein höherer Wert nicht „besser" bedeutet, sondern umgekehrt: Je höher der Differenzierungsgrad, desto schlechter sind die Krebszellen differenziert – und desto intensiver sollte die Therapie sein, um das Tumorwachstum zu bremsen oder zu verhindern.
 

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Differenzierungsgrad
   

 

Und wenn Brustkrebs in Ihrer Familie vorkommt?

Bestimmte erbliche Veranlagungen können die Entwicklung von Brustkrebs begünstigen; jeder 5. bis 10. Brustkrebsfall ist genetisch bedingt.2 Mithilfe eines Gentests lässt sich klären, ob eine Veranlagung besteht. Wichtig dabei: Ein positives Testergebnis heißt nicht zwangsläufig, dass die Frau tatsächlich erkrankt. Aber das Risiko ist erhöht. 


Was das für Sie persönlich bedeutet

All diese Merkmale ergeben zusammen ein Bild, das nur auf Sie zutrifft. Kein Brustkrebs ist wie der andere. Genau deshalb ist auch keine Therapie wie die Andere. Und genau deshalb sprechen wir über Ihren Befund und nicht über Statistiken.

Eine Zahl, die vielen Patientinnen an dieser Stelle hilft: Bei etwa vier von fünf Frauen wird Brustkrebs in einem Frühstadium diagnostiziert.3 Früher Brustkrebs ist meist gut zu behandeln.2


Fragen Sie – das gehört dazu

Es ist völlig normal, dass in dieser Phase viele Begriffe auf Sie einprasseln. Was erfahrungsgemäß hilft: Bereiten Sie sich auf unsere Gespräche vor und notieren Sie Ihre Fragen. Nehmen Sie eine Person Ihres Vertrauens mit, weil vier Ohren mehr als zwei hören. Machen Sie sich Notizen, damit Sie zu Hause in Ruhe nachdenken können. Und fragen Sie immer nach, wenn Sie etwas nicht verstehen. 
 

 

  1. Onko Internetportal. Brustkrebs Diagnose: Klassifikation. https://www.onko-portal.de/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/klassifikation.html (zuletzt abgerufen am 03.08.2026).
  2. Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientinnenleitlinie Brustkrebs im frühen Stadium; Stand: Dezember 2018. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-045OL (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  3. Robert Koch-Institut. Krebs in Deutschland für 2021–2023.
  4. BRUSTKREBS – Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen 2025. Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. (AGO). 
     

12. Wie gehe ich mit Fatigue um?

Es ist gut, dass Sie das ansprechen. Fatigue ist eine der häufigsten Begleiterscheinungen einer Krebstherapie – und es gibt einiges, das helfen kann. 


Fatigue ist mehr als Müdigkeit
Sie kann sich als körperliche Kraftlosigkeit zeigen, aber genauso als Konzentrations- und Gedächtnisprobleme.1,2 Das ist kein Charakterfehler und kein Zeichen dafür, dass Sie sich nicht genug zusammenreißen. 

Woran Sie sie erkennen: an der Reaktion auf Ruhe. In leichterer Ausprägung erholen Sie sich durch Pausen und Schlaf noch. Wird sie stärker, bleibt die Erschöpfung – auch nach einer durchgeschlafenen Nacht.


Warum wir nach den Ursachen suchen
Fatigue hat meist mehrere Ursachen gleichzeitig. Die Therapien können sie auslösen. Und auch die Erkrankung selbst kann daran beteiligt sein.

Entscheidend ist aber: Ein Teil der möglichen Mitursachen ist überprüf- und behandelbar. Deshalb kontrollieren wir bei anhaltender Erschöpfung das Blutbild, um eine Anämie (einen Mangel an roten Blutkörperchen) zu erkennen. Wir klären die Schilddrüse ab und schließen einen Eisenmangel aus. Deshalb ist es so wichtig, dass Sie uns davon zu erzählen: Es kann etwas dahinterstecken, das sich gezielt behandeln lässt.


Was helfen kann


Bewegung.1-3 
Ausdauer- und Krafttraining haben sich in Studien als besonders wirksam erwiesen, auch kurze Spaziergänge helfen. Und wenn gar nichts geht: Fenster auf und ein paarmal tief durchatmen. Wichtig ist der langsame Aufbau – je stärker die Fatigue, desto geringer zunächst die Intensität, mit ausreichenden Erholungsphasen. 


Energie klug einteilen.4 
Einer der wirksamsten Ansätze bei Fatigue – und der, der am schwersten fällt: nicht durchbeißen, sondern bewusst dosieren. Prioritäten setzen, zwischen Aufgaben kurze Pausen einplanen, die eigenen Grenzen respektieren. Nehmen Sie sich lieber eine Sache pro Tag vor als eine lange Liste, von der nichts geschafft wird – die Enttäuschung erschöpft zusätzlich. Ein Nickerchen von maximal 30 Minuten kann die Reserven spürbar auffüllen.


Schlaf und Tagesrhythmus. 
Feste Schlafzeiten, kein Koffein nach dem Mittag, kein Alkohol am Abend, kein Bildschirm kurz vor dem Schlafen. Wenn Sie nachts wach liegen: aufstehen, kurz etwas lesen, und wieder ins Bett, sobald die Schläfrigkeit kommt. 


Entspannung.2,3 
Yoga, QiGong, Meditation, MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) oder progressive Muskelentspannung. Probieren Sie aus, was am besten zu Ihnen passt.


Journaling.5 
Wie geht es mir heute? Wofür bin ich dankbar? Was hat mich belastet, und wie bin ich damit umgegangen? Das Schreiben schafft Abstand und kann dabei helfen, Gefühle einzuordnen. Und wenn negative Gedanken kreisen: innehalten und fragen, ob Sie das einer guten Freundin so sagen würden. Aus “Ich müsste das besser hinbekommen" wird dann nämlich “Das ist wirklich eine Herausforderung – und ich tue mein Bestes." 


Zeit für sich. 
Feste, unantastbare Zeit im Kalender reservieren – auch wenn es nur eine halbe Stunde mit einer Tasse Tee oder eine Verschnaufpause auf dem Balkon ist. 


Und wenn das nicht reicht: 
Psychoonkologische Unterstützung kann bei anhaltenden Schlafstörungen und kreisenden Gedanken den Alltag erleichtern.2 Es gibt außerdem Apps, die wir verordnen können und die von der Krankenkasse übernommen werden.6


Wann Sie sich melden sollten
Wichtig zu wissen: Anhaltende Fatigue und Schlafprobleme können langfristig auch die Stimmung belasten und in eine Depression übergehen. Sprechen Sie das Problem also an, bevor es sich festsetzt.

Wenn wir gemeinsam entscheiden, dass eine Dosisanpassung sinnvoll ist, ist das kein Rückschritt. Diese Entscheidung treffen wir aber gemeinsam – verändern oder pausieren Sie Ihre Therapie bitte nicht eigenständig.


Dranbleiben – auch an den zähen Tagen
Es wird meist besser – viele Frauen berichten, dass die Belastung am Anfang am stärksten war und mit der Zeit nachgelassen hat.7 Und: von allein wird es selten besser. Es lohnt sich also, Dinge auszuprobieren. 

 

  1. Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientinnenleitlinie Brustkrebs im frühen Stadium; Stand: Dezember 2018. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-045OL (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  2. BRUSTKREBS – Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen 2025. Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. (AGO).
  3. Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG) und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientenleitlinie Komplementärmedizin; Stand: Juli 2021. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-055OL (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  4. DEGAM Patienteninformation: Müdigkeit. https://register.awmf.org/assets/guidelines/053-002pi1_S3_Muedigkeit_2023-01_01.pdf (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  5. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Fatigue bei Krebs: Was tun bei Müdigkeit und Erschöpfung? https://www.krebsinformationsdienst.de/nebenwirkungen-bei-krebs/fatigue (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  6. Verzeichnis digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA), BfArM. diga.bfarm.de (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  7. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Antihormontherapie bei Brustkrebs. https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/hormontherapie (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
     

13. Was tue ich, wenn mir die Haare ausfallen?

Ich verstehe sehr gut, dass Sie diese Frage stellen – und meistens steht eine ganz konkrete Sorge dahinter: dass es so wird, wie man es von Chemotherapien kennt. Deshalb zuerst die Einordnung, was bei Ihrer Therapie tatsächlich zu erwarten ist.


Ausdünnen, nicht Ausfallen
Unter der Kombination aus Antihormontherapie und CDK4/6-Hemmer kann es zu einem Ausdünnen der Haare kommen. Dieser Verlauf ist in der Regel moderat und aus der Ferne meist kaum erkennbar. Ein stärkerer Ausfall kann vorkommen, tritt aber erfreulicherweise selten auf.1


Woher es kommt
Beide Medikamente können dazu beitragen – der CDK4/6-Hemmer ebenso wie der Aromatasehemmer.1


Was Sie tun können
Bei einer leichten Ausdünnung reicht oft schon eine andere Frisur aus. Streuhaare beziehungsweise Streupuder können optisch helfen und die Kopfhaut abdecken. Sie sind einfach anzuwenden und wieder auswaschbar.

Wenn der Haarausfall stärker wird oder Sie belastet, ist eine Perücke oder ein Haarteil auf Rezept möglich.2


Der Maßstab sind Sie
Das ist mir wichtig: Wie stark der Haarausfall ist, misst sich nicht an einer allgemeinen Zahl, sondern daran, was für Ihr Haar normal ist. Ob ein Haarersatz sinnvoll ist, entscheidet keine Prozentangabe, sondern Ihr eigenes Empfinden.


Was das für Ihre Therapie bedeutet
Anders als bei manchen anderen Nebenwirkungen ist wegen des Haarausfalls wahrscheinlich keine Anpassung Ihrer Dosis erforderlich. Das heißt aber ausdrücklich nicht, dass Sie ihn einfach hinnehmen müssen – es heißt, dass wir etwas dagegen tun können, ohne an Ihrer Therapie etwas ändern zu müssen.  

 

  1. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Haarausfall bei Krebs. https://www.krebsinformationsdienst.de/nebenwirkungen-bei-krebs/haarausfall (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026). 
     

14. Was kann ich gegen Übelkeit und Erbrechen tun?

Gut, dass Sie fragen – denn hier können Sie tatsächlich einiges selbst tun. Am besten bereits dann, bevor die Übelkeit überhaupt da ist.


Zuerst etwas, das viele beruhigt
Übelkeit, Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden können vor allem zu Beginn der Therapie auftreten und lassen bei vielen Frauen nach einigen Wochen spürbar nach.1 Was Sie in den ersten Wochen erleben, ist also nicht zwangsläufig das, womit Sie dauerhaft rechnen müssen.


Der wichtigste Punkt: nicht abwarten
Wiederholt auftretende Übelkeit speichert sich im Gedächtnis. Der Körper merkt sich, was ihm nicht bekommen ist, und reagiert beim nächsten Mal vorauseilend – die Übelkeit ist dann schon da, bevor überhaupt etwas passiert ist. Genau deshalb gibt es die Möglichkeit, eine Begleitmedikation einzunehmen.

Also denken Sie daran, sich das Rezept rechtzeitig zu besorgen und die Medikamente aus der Apotheke zu holen, bevor Sie sie brauchen.2 Und sagen Sie mir, wie Sie Ihre Medikamente aktuell im Verhältnis zu den Mahlzeiten einnehmen. Denn auch am Einnahmezeitpunkt lässt sich oft etwas verbessern.


Praktische Tipps für den Alltag
 

Wann und was Sie essen.3,4 
Essen Sie, wenn Sie hungrig sind – und nicht nach Uhrzeit. Nutzen Sie die Momente, in denen Sie Lust auf etwas haben. Frühstück um 15 Uhr ist völlig in Ordnung. Kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt sind meist verträglicher als große Portionen. Wenn feste Nahrung schwerfällt, kann flüssige Kost eine gute Alternative sein: Smoothies mit Joghurt, Nussbutter oder Obst liefern Kalorien, Protein und Nährstoffe.


Gerüche.3 
Der Geruch von Zwiebeln, Knoblauch oder gebratenem Fleisch kann Übelkeit auslösen. Bitten Sie, wenn möglich, jemanden, für Sie zu kochen, und halten Sie sich währenddessen in einem anderen Raum auf. Kalte oder zimmerwarme Speisen riechen weniger intensiv als heiße.


An guten Tagen vorarbeiten. 
Wenn es Ihnen gut geht, lohnt es sich, gleich größere Mengen der Lieblingsgerichte zuzubereiten und einzufrieren. Dann haben Sie an schlechteren Tagen etwas Nahrhaftes griffbereit, ohne kochen zu müssen.


Nach dem Essen. 
Hinlegen kann Übelkeit verstärken. Sitzen Sie lieber aufrecht oder ruhen Sie leicht zurückgelehnt mit erhöhtem Oberkörper.


Bewegung.3 
Ein kurzer Spaziergang oder sanftes Dehnen können den Appetit anregen und die Verdauung unterstützen. 


Was viele Frauen zusätzlich ausprobieren
Tees wie Pfefferminztee und das Kauen von Ingwer können gegen Übelkeit helfen.3,5 Bewährt hat sich auch die Kamillenteerollkur: nicht zu heißen Kamillentee in kleinen Schlucken trinken und sich dabei langsam in verschiedene Positionen drehen. 

Aus der Entspannungs- und Reizrichtung kommen weitere Möglichkeiten: Aromatherapie mit Zitrusdüften wie Zitronenöl, Bergamotte oder Mandarine, progressive Muskelentspannung nach Jacobson sowie Akupunktur und Akupressur – letztere auch als Akupressurbänder zum Selbstanlegen, sogenannte Sea-Bands.5,6 


Wann Sie sich meiden sollten
Melden Sie sich, wenn Sie über mehrere Tage deutlich weniger essen als sonst, und wenn Sie an einem Tag dreimal oder häufiger erbrechen.2 Melden Sie sich auch dann, wenn die Übelkeit zwar aushaltbar ist, Ihnen aber den Alltag nimmt – dafür ist die Begleitmedikation da, und die lässt sich anpassen.


Was das für Ihre Therapie bedeutet
Bei leichter Übelkeit ändert sich an Ihrer Dosis nichts – wir behandeln die Beschwerden und schauen, wie es Ihnen damit geht. Bei stärkeren Beschwerden kann eine angepasste Dosis sinnvoll sein.

 

  1. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Antihormontherapie bei Brustkrebs. https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/hormontherapie (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  2. BRUSTKREBS – Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen 2025. Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. (AGO).
  3. Bayerische Krebsgesellschaft. Komplementärverfahren in der Onkologie. https://www.bayerische-krebsgesellschaft.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/BKG_Broschuere_Komplementaer_10-2024_FINAL_web.pdf (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  4. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Ernährungsberatung und Ernährungstherapie bei Krebs. https://www.krebsinformationsdienst.de/ernaehrung-bei-krebs/ernaehrungsberatung-und-ernaehrungstherapien (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  5. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Informationsblatt: Übelkeit und Erbrechen bei Krebs: Vorbeugen und behandeln. https://www.krebsinformationsdienst.de/fileadmin/pdf-dateien/informationsblaetter/iblatt-uebelkeit.pdf?m=1656325207& (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  6. Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG) und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientenleitlinie Komplementärmedizin; Stand: Juli 2021. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-055OL (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
     

15. Was kann bei Sensibilitätsstörungen helfen?

Es ist gut, dass Sie das ansprechen. Kribbeln oder Taubheit in Händen und Füßen wird oft nicht erwähnt, weil man von außen nichts sieht. Wir sollten aber davon wissen – und ich sage Ihnen auch gleich offen, wo sich am meisten erreichen lässt.


Was dahintersteckt
Diese Beschwerden entstehen überwiegend durch eine bestimmte Gruppe von Chemotherapien, die Taxane. Die Wirkstoffe können die feinen Nerven in Händen und Füßen beeinträchtigen. Typisch ist ein stufenweiser Verlauf: zuerst ein Kribbeln, manchmal auch leichte Schmerzen in Händen und Füßen Daraus kann mit der Zeit ein Taubheitsgefühl werden. Muss es nicht – aber es kann.1

Falls Sie sich fragen, ob Ihre aktuelle Therapie daran beteiligt ist: Verschiedene Behandlungen haben ganz unterschiedliche Nebenwirkungsprofile – und es ist gut, sich das im Einzelnen erklären zu lassen. 


Der wirksamste Zeitpunkt ist während der Chemotherapie
Das ist der Punkt, an dem am meisten möglich ist. Deshalb erwähne ich ihn als erstes – auch wenn er für Sie vielleicht schon zurückliegt.

Einige Patientinnen haben mir berichtet, dass ihnen das Kühlen während der Infusion geholfen hat. Es gibt spezielle Kühl(hand)schuhe, in die man hineinschlüpft; auch mit Kühlakkus lässt sich wohl gut arbeiten. Durch die Kälte ist die Durchblutung in Händen und Füßen geringer, sodass weniger vom Medikament bis in die Finger- und Zehenspitzen gelangt. Für die Hände gibt es auch noch eine einfachere Variante: Einweghandschuhe anziehen. Und zwar ganz bewusst eine Nummer kleiner als sonst, sie sollten richtig eng anliegen. Denn auch das verringert die Blutzirkulation in den Fingern.

Für die Füße berichten Patientinnen von einem Trick, der über den Reiz funktioniert: ein Stück Paket- oder Klebeband unter die Fußsohlen kleben, darüber dann Socken und Schuhe tragen. So entsteht bei jedem Schritt entsteht ein kleiner Reiz, der die Beschwerden ebenfalls verringern kann.


Wenn die Beschwerden schon bestehen
Wenn bei Ihnen bereits Beschwerden bestehen, können wir Ihnen Bewegungs- und Ergotherapie verordnen. In beiden Therapien trainieren Sie gezielt Gleichgewicht, Koordination, Feinmotorik und Tastsinn.1

Viele Patientinnen nutzen Reize, um die Wahrnehmung in Händen und Füßen anzuregen. Verbreitet ist etwa eine Schüssel mit tiefgekühlten Erbsen, in die die Hände für kurze Zeit gelegt werden;

Oder Sie stellen sich auf ein etwa fünf Zentimeter hohes Stück Schaumstoff, während Sie beispielsweise etwas in der Küche vorbereiten. Warum? Weil der Schaumstoff nachgibt – dadurch werden die kleinen Muskeln und Nerven in den Füßen ständig beansprucht. 


Wenn Ihnen die Finger zu schaffen machen
Steife oder schmerzende Finger sind etwas anderes, sie hängen häufig mit dem Hormonentzug unter der Antihormontherapie zusammen.2,3 Dagegen können gezielte Fingerübungen helfen, bei denen Sie die Fingerspitzen in wechselnder Reihenfolge aneinander tippen. Das kann auch die Konzentration fördern.

Für Finger und Gelenke gilt generell: Bewegung tut gut, in welcher Form auch immer. Je weniger Sie sie diese bewegen, desto steifer werden sie – und desto schwerer fällt es, wieder anzufangen.


Sagen Sie uns Bescheid
Bitte erzählen Sie mir von diesen Beschwerden, auch wenn sie Ihnen geringfügig erscheinen. Vor allem dann, wenn sie zunehmen oder sich verändern. Natürlich können Sie sich auch an die Breast Care Nurses und die Pflegekräfte wenden – auch die haben viel Erfahrung und häufig praktische Tipps.

 

  1. Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientinnenleitlinie Brustkrebs im frühen Stadium; Stand: Dezember 2018. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-045OL (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  2. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Antihormontherapie bei Brustkrebs. https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/hormontherapie (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  3. mamazone e. V. Brustkrebs behandeln: Antihormontherapie – Nebenwirkungen. https://www.mamazone.de/diagnose-was-nun/brustkrebs-behandeln/antihormontherapie/nebenwirkungen/ (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
     

16. Ich vergesse Dinge und kann mich schlecht konzentrieren – ist das das sogenannte „Chemo Brain"?

Es ist richtig und wichtig, dass Sie mich das fragen. Viele Frauen tun es nicht, weil sie das Gefühl haben, sie müssten sich einfach mehr zusammenreißen. Und weil sie befürchten, nicht ernst genommen zu werden. 


Was Frauen beschreiben
Ein Wort, das man schon 1000 mal benutzt hat, ist plötzlich weg. Ein Termin fällt durch, obwohl er im Kalender stand. Mehrere Dinge gleichzeitig – Telefonat, Einkaufszettel, Frage von nebenan – sind auf einmal zu viel.

„Chemo Brain" ist der Begriff, unter dem Sie im Internet am meisten dazu finden. Er führt allerdings etwas in die Irre, weil er alles der Chemotherapie zuschreibt. Tatsächlich spielen meist mehrere Dinge zusammen.


Was zusammenkommt
Konzentrations- und Gedächtnisprobleme gehören zum Bild der Fatigue dazu – jener Erschöpfung, die auch durch Schlaf nicht besser wird.1 Dazu kommen bei vielen Frauen Schlafstörungen1: Wer über Wochen schlecht schläft, merkt das tagsüber.

Außerdem lohnt es sich, einmal zu überlegen, was Sie sonst noch beschäftigt: Sorgen um die Familie, um die Arbeit, um die Finanzen – all das bindet Aufmerksamkeit, ohne dass man es als „Denken" wahrnimmt. Es ist also nicht unbedingt nur die Therapie. Es ist auch die Belastung, der Sie in dieser Zeit ausgesetzt sind.


Was helfen kann


Eines nach dem anderen.2 
Nehmen Sie sich lieber eine Sache vor als eine lange Liste. Wer sich täglich viel vornimmt und wenig davon schafft, erschöpft sich zusätzlich durch die Enttäuschung.


Am Schlaf arbeiten. 
Wenn Sie nachts wach liegen: aufstehen, ein paar Minuten lesen – nicht fernsehen, kein Handy, denn das Blaulicht erschwert das Einschlafen – und dann wieder ins Bett. Wenn die Gedanken kreisen, hilft manchen ein bewusstes, lautes „Stopp" oder das langsame, konzentrierte Rückwärtszählen von 1000.


Fingerübungen. 
Die Übungen, bei denen die Fingerspitzen in wechselnder Reihenfolge aneinander getippt werden, tun den Fingern gut und können gleichzeitig die Konzentration fördern.


Bewegung.1,3,4 
Ein Spaziergang, auch wenn es nur einmal um den Block ist. Und wenn Sie sich dazu nicht in der Lage fühlen: Öffnen Sie das Fenster auf und atmen Sie ein paar Mal tief durch.


Zeit für sich. 
Feste Zeiten, die Ihnen gehören. Viele Frauen berichten, dass ihnen das mehr gebracht hat als alles andere.


Für unsere Gespräche
Bereiten Sie sich vor und notieren Sie Ihre Fragen. So geht nichts verloren. Nehmen Sie eine Person Ihres Vertrauens mit, denn vier Ohren hören mehr als zwei. Machen Sie sich Notizen, damit Sie zu Hause alles in Ruhe nachlesen können. Und fragen Sie immer nach, wenn etwas unklar bleibt.


Sagen Sie uns Bescheid
Bitte erzählen Sie mir davon, auch wenn es Ihnen belanglos erscheint. Nebenwirkungen gehen wir am besten gemeinsam an. Und manches, was hier hineinspielt, können wir gezielt behandeln.


Dranbleiben
Was keine Lösung ist: die Medikamente unregelmäßig einzunehmen oder ganz abzusetzen, weil man hofft, dann wieder klarer im Kopf zu sein. Dann fehlt auch die Wirkung. Sprechen Sie mit uns – meistens finden wir gemeinsam einen Weg.

 

  1. Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientinnenleitlinie Brustkrebs im frühen Stadium; Stand: Dezember 2018. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-045OL (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  2. DEGAM-Patienteninformation: Müdigkeit; Stand: 01/2023. https://register.awmf.org/assets/guidelines/053-002pi1_S3_Muedigkeit_2023-01_01.pdf (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  3. BRUSTKREBS – Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen 2025. Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. (AGO).
  4. Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientenleitlinie Komplementärmedizin; Stand: Juli 2021. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-055OL (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
     

17. Was kann ich bei Haut- und Schleimhautveränderungen tun?

Die kurze Antwort lautet: erstaunlich viel. Trockene Haut und trockene Schleimhäute sind unangenehm, aber gut handhabbar – mit einfachen Mitteln, konsequent angewendet. Und das lohnt sich, denn im Alltag können diese Beschwerden ziemlich zermürbend sein.


Die Haut
Unter der Kombination aus Aromatasehemmer und CDK4/6-Hemmer kann es zu Hautveränderungen kommen – beide Medikamente können dazu beitragen.1,2
Was helfen kann, ist weniger spektakulär, als man denkt: milde, parfümfreie Pflegeprodukte und regelmäßige Feuchtigkeitszufuhr. Gut geeignet sind Produkte für empfindliche Haut oder für Haut mit Neurodermitis. Und Sonnenschutz ist wichtig. Auch an Tagen, an denen Sie nicht bewusst in die Sonne gehen.


Trockene Augen
Künstliche Tränen können helfen. Achten Sie darauf, dass die Augentropfen ohne Konservierungsstoffe sind. Auch Bildschirmpausen und bewusstes Blinzeln entlasten die Augen spürbar. Ganz einfach deshalb, weil wir am Bildschirm deutlich seltener blinzeln. Außerdem sollten Sie – so gut es geht – trockene Raum- und Zugluft meiden.


Trockener Mund
Trinken Sie viel Wasser, gleichmäßig über den Tag verteilt.3 Zuckerfreie Kaugummis oder Bonbons können dabei helfen, den Speichelfluss anzuregen.

Bei der Mundpflege gilt: Zähne mindestens zweimal täglich mit einer weichen Zahnbürste putzen. Spülungen auf Basis von Backpulver oder Salzwasser (je ein halber Teelöffel auf ein Glas lauwarmes Wasser) beruhigen gereizte Schleimhäute und beugen Infektionen vor. Alkoholhaltige Mundspülungen bitte meiden, weil diese zusätzlich austrocknen. Für trockene Schleimhäute gibt es außerdem spezielle Mundgels und Spülungen.3

Beim Essen erleichtern Sie sich vieles, wenn Sie säurehaltige, scharfe oder grob strukturierte Speisen vorerst weglassen, weil diese eine gereizte Schleimhaut zusätzlich belasten.3

Eine weitere Möglichkeit ist das Ölziehen: morgens einen Esslöffel mildes Bio-Öl ein paar Minuten im Mund hin- und herbewegen, ausspucken, danach Zähne putzen.


Bevor Sie etwas Neues ausprobieren
Sagen Sie mir kurz Bescheid, wenn Sie zusätzlich etwas anwenden möchten – ein Präparat, ein Hausmittel, oder ein Pflegeprodukt. Dann können wir gemeinsam schauen, ob es zu Ihrer Therapie passt. 


Wann Sie nicht abwarten dürfen
Eine Situation möchte ich klar von allem anderen abgrenzen. Gehen Sie bitte sofort in eine Notaufnahme, falls sich ein Hautausschlag großflächig ausbreiten sollte, wenn sich Blasen bilden oder sich die Haut ablöst, oder wenn gleichzeitig Schleimhäute betroffen sind: entzündete Augen, Schluckbeschwerden, wunde Stellen im Mund. Auch Fieber und ein grippeähnliches Gefühl können einem solchen Ausschlag vorausgehen.4

Das ist selten. Falls es aber auftreten sollte, ist eine rasche Behandlung sehr wichtig. 


Dranbleiben
Wenn etwas trocken ist, brennt oder spannt, muss das nicht Ihre Therapie in Frage stellen. Meist reicht eine kleine Anpassung. Bitte sprechen Sie mit mir, bevor Sie an Ihren Medikamenten etwas ändern. Ganz einfach deshalb, weil eine Therapie, die unregelmäßig genommen wird, nicht so gut wirkt. 

 

  1. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Antihormontherapie bei Brustkrebs. https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/hormontherapie (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  2. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Brustkrebs: Zielgerichtete Therapien und Immuntherapie. https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/zielgerichtete-therapie (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  3. Bayerische Krebsgesellschaft. Komplementärverfahren in der Onkologie, 10/2024. https://www.bayerische-krebsgesellschaft.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/BKG_Broschuere_Komplementaer_10-2024_FINAL_web.pdf (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  4. BRUSTKREBS – Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen 2025. Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. (AGO).
     

18. Welche Nebenwirkungen können unter dem Aromatasehemmer auftreten und was kann ich dagegen tun?

Diese Therapie begleitet Sie mindestens fünf Jahre, oft länger.1 Umso besser, wenn Sie rechtzeitig wissen, was auf Sie zukommen kann. Nicht, weil zwangsläufig alle möglichen Nebenwirkungen auftreten, sondern weil sich gegen fast alle etwas tun lässt.


Was typischerweise auftritt
Unter einem Aromatasehemmer können häufiger auftreten: Gelenk- und Muskelschmerzen, Hitzewallungen und Schweißausbrüche, trockene Schleimhäute, Müdigkeit beziehungsweise Fatigue und Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen sowie eine Verschlechterung der Knochendichte.2,3

Wenn Sie zusätzlich einen CDK4/6-Hemmer einnehmen, können auch noch andere Nebenwirkungen dazu kommen wie vorübergehend veränderte Blutwerte, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, erhöhte Leberwerte oder Hautreaktionen.4

Diese Unterscheidung ist mehr als eine Formalie, weil viele Patientinnen reflexhaft das neuere Medikament hinter allem, was sie spüren, vermuten. Das ist aber häufig nicht der Fall. 

Und noch etwas Beruhigendes vorweg: Viele dieser möglichen Nebenwirkungen sind zeitlich begrenzt und bilden sich häufig schon in den ersten Wochen zurück.2


Hitzewallungen und Nachtschweiß
Sie entstehen durch den starken Östrogenabfall, den der Aromatasehemmer bewirkt5, und können die Lebensqualität spürbar beeinflussen. Was hilft:

Beobachten Sie ein paar Tage lang, was bei Ihnen persönlich eine Rolle spielt – scharfe Speisen, heiße Getränke, Koffein und Alkohol sind häufige Auslöser.6 Ein kleiner Handventilator oder ein Fächer kann im Akutfall schnell Erleichterung bringen.

Ein Ansatz, der zunächst widersinnig klingt, ist das regelmäßige leichte Schwitzen: mindestens dreimal pro Woche zügig gehen oder walken, bis ein leichtes Schwitzen einsetzt. Das trainiert den Körper langfristig, weniger spontan zu schwitzen.

Viele Frauen berichten außerdem von guten Erfahrungen mit kalten Armbädern nach Kneipp: die Unterarme für maximal 30 Sekunden in 12 bis 18 Grad kaltes Wasser tauchen und sanft abtrocknen. Zwei- bis dreimal täglich, über zwei bis drei Wochen.7 Regelmäßig angewendet, kann das die Bereitschaft des Körpers zu Hitzewallungen senken.

Für die Nacht: Halten Sie das Schlafzimmer kühl und nutzen Sie kühlende Bettwäsche. Eine kühle Dusche vor dem Schlafen senkt die Körpertemperatur. Tupfen Sie die Haut danach nur leicht ab. Bei Nachtschweiß hat sich verdünntes Salbeiöl (10 %) bewährt, direkt auf die Haut aufgetragen, wenn die Hitzewallung kommt. Es verhindert das anschließende Auskühlen und hilft, leichter wieder einzuschlafen.


Gelenke und Muskeln
Östrogen ist wichtig für die Elastizität von Sehnen, Bändern und Knorpel. Fällt es weg, sind diese Strukturen weniger geschmeidig und die Durchblutung von Gelenken und Muskeln lässt nach. Das kann sich wie Gelenk- oder Muskelschmerzen anfühlen, oft auch wie Steifigkeit – besonders morgens nach dem Aufstehen oder nach langem Sitzen. Die gute Nachricht: Bei vielen Frauen lassen diese Beschwerden im Verlauf der Behandlung spürbar nach.2

Der einfachste Hebel ist oft der Einnahmezeitpunkt. Die Beschwerden haben offenbar eine Tagesrhythmik – manchmal hilft es schon, den Aromatasehemmer morgens statt abends zu nehmen oder umgekehrt. Lassen Sie uns das aber bitte in jedem Fall gemeinsam entscheiden. Bitte machen Sie das nicht, ohne Rücksprache mit mir zu halten.7
Bewegung ist hier zentral, auch wenn sie zunächst Überwindung kostet. Je weniger man sich bewegt, desto schlimmer wird es mit der Zeit – und desto schwerer fällt der Wiedereinstieg. Dehngymnastik und Fingerübungen fördern die Beweglichkeit7; bei anhaltenden Beschwerden kann ich Ihnen Rehasport verordnen, also strukturierte Bewegungsprogramme, die gezielt auf therapiebedingte Gelenkschmerzen ausgerichtet sind.


Wärme tut gut: ein Heizkissen oder ein warmes Bad (jeweils 15 bis 20 Minuten) lockert steife Muskeln und regt die Durchblutung an.8

Bestimmte Schmerzmittel können überbrückend helfen, aber bitte immer in Absprache mit uns. Und bei anhaltend starken Beschwerden ist ein Wechsel auf einen anderen Aromatasehemmer ebenfalls eine Option.


Die Knochen im Blick behalten
Diese Veränderung spüren Sie selbst nicht – deshalb schauen wir gezielt hin. Wir messen die Knochendichte einmal im Jahr, und bestimmen ergänzend dazu Ihren Vitamin-D-Spiegel. Je nach Ergebnis besprechen wir dann, ob Vitamin D, Kalzium oder knochenaufbauende Medikamente für Sie sinnvoll sind.8 


Wenn Sie Nahrungsergänzung ausprobieren möchten
Manche Frauen berichten, dass pflanzliche Präparate (etwa auf Basis von Omega-3-Fettsäuren) ihre Gelenkbeschwerden verringern.7 Wenn Sie das versuchen wollen, gehen Sie am besten systematisch vor: Notieren Sie Ihre Schmerzstärke vorher auf einer Skala von 0 bis 10, nehmen Sie das Präparat konsequent sechs bis acht Wochen und bewerten Sie dann erneut. Nur so merken Sie, ob Sie wirklich davon profitieren.

Wichtig: Bitte besprechen Sie das vorher mit uns, weil auch pflanzliche Mittel Wechselwirkungen haben können. Und setzen Sie solche Präparate mindestens eine Woche vor geplanten Operationen ab, weil diese die Blutgerinnung beeinflussen können.7


Was Sie nicht selbst merken
Ein Teil dessen, was wir beobachten, zeigt sich nicht an Symptomen – Blutbild, Leberwerte, Knochendichte. Genau dafür sind die regelmäßigen Kontrollen da. Sie sind kein Formalismus, sondern ein wichtiger Teil der “Überwachung”, den Sie nicht selbst übernehmen können.


Dranbleiben
Was dabei hilft, ist ein Trick, den Patientinnen immer wieder empfehlen: nicht auf die ganzen fünf Jahre schauen, sondern auf kleinere Etappen. 
Wenn eine Nebenwirkung Sie im Alltag belastet, ist das kein Grund, die Therapie infrage zu stellen – sondern ein Anlass, mit mir zu sprechen. Es gibt fast immer eine Stellschraube. Gemeinsam schaffen wir das. 
 

  • Dies ist keine vollständige Auflistung aller möglichen Nebenwirkungen. Eine ausführliche Übersicht finden Sie in der jeweiligen Packungsbeilage.
  • Zu Erschöpfung und Schlafstörungen siehe Frage 2
  • Zu Haut- und Schleimhautveränderungen siehe Frage 7
  • Weitere Möglichkeiten bei Gelenkbeschwerden wie Quarkauflage, Kohlwickel, TENS-Gerät, Akupressurmatte und Akupunktur finden Sie im Magazin „Meine Zeit", eine kostenfreie Publikation für Frauen mit metastasiertem Brustkrebs, herausgegeben im Rahmen der Initiative My time von Novartis, Brustkrebs Deutschland e.V. und dem Magazin Mamma Mia!

 

  1. BRUSTKREBS – Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen 2025. Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. (AGO).
  2. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Antihormontherapie bei Brustkrebs. https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/hormontherapie (zuletzt aufgerufen am 30.06.2026).
  3. mamazone e. V. Brustkrebs behandeln: Antihormontherapie – Nebenwirkungen. https://www.mamazone.de/diagnose-was-nun/brustkrebs-behandeln/antihormontherapie/nebenwirkungen/ (zuletzt aufgerufen am 30.06.2026).
  4. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Brustkrebs: Zielgerichtete Therapien und Immuntherapie. https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/zielgerichtete-therapie (zuletzt aufgerufen am 30.06.2026).
  5. Onko Internetportal. Antihormonelle Therapie bei Brustkrebs. https://www.onko-portal.de/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/therapie/hormontherapie.html (zuletzt aufgerufen am 30.06.2026).
  6. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Hitzewallungen & Co: Wechseljahresbeschwerden bei Krebs. https://www.krebsinformationsdienst.de/nebenwirkungen-bei-krebs/wechseljahresbeschwerden (zuletzt aufgerufen am 30.06.2026).
  7. Bayerische Krebsgesellschaft. Komplementärverfahren in der Onkologie, 10/2024. https://www.bayerische-krebsgesellschaft.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/BKG_Broschuere_Komplementaer_10-2024_FINAL_web.pdf (zuletzt aufgerufen am 03.08.2026).
  8. Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientenleitlinie Komplementärmedizin; Stand: Juli 2021. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-055OL (zuletzt aufgerufen am 30.06.2026). 
     

19. Ich fühle mich gesund. Warum soll ich die Tabletten trotzdem jahrelang weiternehmen?

Diese Frage kommt fast nie am Anfang, sondern später –wenn die erste intensive Phase der Brustkrebsbehandlung vorbei ist und der Alltag wieder mehr Raum einnimmt. Genau dann fällt das Weitermachen am schwersten. Deshalb erkläre ich Ihnen, warum diese Tabletten weiterhin wichtig sind. 


Was die Therapie bekämpft, sieht man nicht
Ihr Tumor ist entfernt. Was bleiben kann, sind einzelne Krebszellen, die sich vorher im Körper verteilt haben – zu wenige und zu klein, um nachweisbar zu sein. Mikrometastasen nennen wir das.1

Dagegen arbeitet Ihre Therapie. Nicht an einer Stelle, sondern überall im Körper. Sie soll diese Zellen bekämpfen, bevor sie aktiv werden können.1


Das Besondere daran – und das Schwierige
Diese Therapie behandelt kein Symptom, das Sie spüren. Sie merken nicht, dass sie wirkt. Und darin liegt der Haken: Sie spüren die Nebenwirkungen, aber nicht den Nutzen. Der liegt in der Zukunft.


Warum so lange
In den ersten drei Jahren nach der Diagnose ist das Rückfallrisiko am höchsten.2-4 Danach sinkt es – aber es verschwindet nicht. Bei hormonsensitivem Brustkrebs tritt mehr als die Hälfte aller Rückfälle erst ab dem fünften Jahr auf.4

Das ist der Grund für die lange Therapiedauer. Ausgerechnet in der Zeit, in der Sie sich wieder gesund fühlen, wird sie noch gebraucht. Konsequent eingenommen, kann sie viel für Ihre Zukunft bewirken.5,6
 

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​​Schematische Darstellung des Rückfallrisikos bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs im Zeitverlauf​
   

Wenn es schwerfällt, liegt das nicht an Ihnen
Etwa die Hälfte aller Patientinnen nimmt diese Therapie nicht so, wie sie verordnet wurde.7-9 Ich sage Ihnen das nicht als Vorwurf. Ich sage es, damit Sie wissen: Sie wären damit nicht allein, und es sagt nichts über Ihre Willensstärke aus.

Die Gründe können vielfältig sein. Nebenwirkungen – oder schon die Sorge davor. Das Gefühl, nicht mehr krank zu sein. Die lange Dauer. Und ganz banal: das Vergessen im Alltag.

Wenn Ihnen die Einnahme schwerfällt oder Sie ins Zweifeln geraten, ist das kein Zeichen von Schwäche und kein Charaktermerkmal. Dranbleiben ist keine Frage des Willens allein, sondern der Unterstützung, der Information und der richtigen Begleitung.10


Was hilft
Sprechen Sie mit mir, bevor Sie etwas ändern. Für die meisten Nebenwirkungen finden wir eine Lösung – zum Beispiel eine Anpassung oder eine begleitende Behandlung. Gut zu wissen: Besonders am Anfang können die Beschwerden stärker sein und im Verlauf wieder nachlassen.11

Koppeln Sie die Einnahme an etwas, das Sie ohnehin jeden Tag tun – das Zähneputzen, den ersten Kaffee. Und denken Sie in Etappen. Ein halbes Jahr ist vorstellbar, fünf eher nicht.

Wenn Sie zusätzliche Unterstützung möchten: Die PINK! Coach App kann ärztlich verordnet werden, die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen.12 Sie hilft bei Nebenwirkungen, bei der Terminverwaltung und mit Übungen für den Alltag.


Und wenn Sie schon abgesetzt haben?
Dann sagen Sie es mir. Ohne schlechtes Gewissen. Nur wenn ich weiß, wie es Ihnen wirklich geht, kann ich mit Ihnen nach einem Weg suchen, der besser in Ihr Leben passt.
Eine Patientin hat es einmal so beschrieben: Das Leben läuft nicht immer gerade, es gibt Kurven. Und wenn man aus einer Kurve rausfliegt, muss man entscheiden, ob man wieder einsteigt. Das kostet Kraft – aber es lohnt sich. 


Dranbleiben
Ich weiß, dass ich Ihnen etwas zumute: jeden Tag eine Tablette für etwas, das Sie nicht sehen und nicht spüren. Über Jahre.
Aber genau das ist der Punkt. Diese Therapie schützt keine Gegenwart, in der es Ihnen schlecht geht. Sie schützt eine Zukunft, in der es Ihnen gut gehen soll.4

 

  • Zu Nebenwirkungen der Antihormontherapie siehe Frage 8
  • Zur Angst vor einem Rückfall siehe Frage 15

 

  1. Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientinnenleitlinie Brustkrebs im frühen Stadium; Stand: Dezember 2018. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-045OL (zuletzt aufgerufen am 12.08.2026).
  2. Geurts YM, et al. Breast Cancer Res Treat. 2017;165(3):709-720.
  3. Early Breast Cancer Trialists' Collaborative Group (EBCTCG). Breast Cancer Res Treat. 2019;175(3):617-625.
  4. Gomis RR, Gawrzak S. Tumor cell dormancy. Mol Oncol. 2017;11(1):62-78.
  5. Dannehl D, et al. Geburtshilfe Frauenheilkd. 2026;86:75-83.
  6. Inotai A, et al. Cancer Treat Rev. 2021;100:102264.
  7. Paranjpe R, et al. Breast Cancer Res Treat. 2019;174(2):297-305.
  8. Murphy CC, et al. Breast Cancer Res Treat. 2012;134(2):459-478.
  9. Moon Z, et al. Patient Prefer Adherence. 2017;11:305-322.
  10. Finitsis DJ, et al. Psychooncology. 2019;28(2):255-263.
  11. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Antihormontherapie bei Brustkrebs. https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/hormontherapie (zuletzt aufgerufen am 12.08.2026).
  12. Verzeichnis digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA), BfArM. https://diga.bfarm.de (zuletzt aufgerufen am 12.08.2026). 
     

20. Sexualität und Libido unter Therapie – wie gehe ich damit um?

Sie sind nicht die einzige Frau, die diese Frage stellt – auch wenn es sich vielleicht so anfühlt. Über Sexualität wird in der Sprechstunde eher selten gesprochen. Und das führt leicht zu dem Eindruck, man sei mit dem Thema allein. Dabei bleibt Sexualität trotz der Erkrankung – oder gerade wegen ihr – ein wichtiger Teil des Lebens.


Was sich verändern kann
Die Therapie kann das sexuelle Verlangen beeinträchtigen. Der Hormonentzug führt oft auch bei jungen Frauen zu Wechseljahresbeschwerden. Die Schleimhaut in der Scheide wird zum Beispiel trockener.1,2 

Dazu kommt das, was Sie womöglich am eigenen Körper spüren: Die Empfindlichkeit an der Narbe oder im bestrahlten Areal kann anfangs gestört sein. Viele Frauen fragen sich, ob Berührung wehtun wird – oder ob sie an der Hautstelle je wieder etwas empfinden werden.

Und es gibt einen dritten Teil, der wenig mit Medizin zu tun hat, denn: Sexualität beginnt im Kopf. Wenn der voll ist mit Sorgen und Ängsten, dann wird es mit Fantasie und Entspannung schwierig. Das ist keine Funktionsstörung, sondern eine nachvollziehbare Reaktion.

Manche Frauen erleben nach den Monaten voller Untersuchungen, Biopsien und Behandlungen auch schlicht das Bedürfnis, dass ihr Körper einmal in Ruhe gelassen wird. Auch das ist völlig in Ordnung.


Was körperlich hilft
Gegen Scheidentrockenheit helfen östrogenfreie Befeuchtungs- oder Gleitmittel. Wenn das nicht ausreicht, gibt es weitere Möglichkeiten. Die wägen wir dann gemeinsam ab, abgestimmt auf Ihre Therapie.3

Und ich will ehrlich sein: Ein Gleitmittel löst nicht das eigentliche Problem, wenn die Lust fehlt. Es erleichtert körperlich einiges, mehr aber auch nicht. 


Der Körper, der sich verändert hat
„Bin ich noch schön? Bin ich noch komplett?" Diese Fragen stellen sich viele Frauen nach einer Brustkrebstherapie – unabhängig davon, ob jemand anderes den veränderten Körper zu sehen bekommt. Zunächst einmal geht es um das Verhältnis zum eigenen Körper. 

Was helfen kann, ist sich auch Selbst wieder nahe zu kommen, indem Sie die Narbe mit ein wenig Öl massieren, zum Beispiel. Das klingt ein wenig ungewöhnlich, ich weiß. Aber probieren Sie es trotzdem einmal aus. 

Ihr sexuelles Erleben wird nach der Therapie womöglich anders aussehen. Die eigentliche Frage ist aber: Muss es deswegen schlechter sein? Viele Frauen gewöhnen sich mit der Zeit an ihren veränderten Körper.


Wenn Sie in einer Partnerschaft leben
Dann kommt einiges dazu – und einiges wird leichter.

Beim Körperlichen hilft Annäherung von beiden Seiten: Ihr Partner oder Ihre Partnerin kann zum Beispiel beim Wechsel des Verbandes helfen oder beim Massieren der Narbe. Und mit der Zeit gewöhnen sich meist beide an den veränderten Körper.

Wenn die Lust fehlt, sagen Sie sich: Es muss nicht immer gleich alles zu Sexualität führen. Fangen Sie mit ein bisschen Zärtlichkeit an – also sich wieder bewusst in den Arm nehmen, wenn das während Operation und Therapie unterbrochen war.4 Und auch bewusst miteinander umgehen: nicht aus der Küche rufen, wenn der Partner nach Hause kommt, sondern hingehen. Und wenn Sie mehr wollen: Ablenkung ist bei Sorgen ein probates Mittel. Beim Sex kann das vieles heißen: eine besonders romantische Atmosphäre schaffen, oder die Erinnerung daran, wie es sich einmal angefühlt hat.4


Reden, auch wenn es schwerfällt
Auch wenn Sie die Diagnose erhalten haben: Ihr Partner oder Ihre Partnerin ist ebenso betroffen. Er oder sie spürt die gleiche Angst, die gleiche Ohnmacht und die gleichen Sorgen.4,5 Und auch wenn es vor allem um Sie geht, fragen Sie in starken Momenten: Wie geht es Dir?

Der Grund, warum ich darauf so großen Wert lege: Wenn nicht offen miteinander gesprochen wird, ziehen sich meist beide zurück.5 Dann entsteht Sprachlosigkeit, und aus Sprachlosigkeit werden Missverständnisse. Und jeder deutet, was der andere gesagt oder getan hat – ohne zu wissen, ob es wirklich so gemeint war.4 So bauen sich unnötig Probleme auf. 

Wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Grenzen zu oft überschreiten zu müssen, um die Partnerschaft zu halten, holen Sie sich Unterstützung von außen – eine Paarberatung zum Beispiel.3,4 Vielen von uns fällt es schwer, Zustände der Schwäche anzuerkennen. Ein Stups von außen kann da viel klären und entlasten.


Unterstützung für Sie selbst
Unabhängig von Ihrer Lebenssituation: Psychoonkologinnen und Psychoonkologen sind darauf spezialisiert, bei den seelischen Folgen einer Krebsdiagnose zu unterstützen.3,4 Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen gern einen Kontakt vermitteln. 


Dranbleiben
Die Beschwerden verlieren im Gespräch viel von ihrem Gewicht – und für den körperlichen Teil gibt es meist eine Lösung. Bitte sprechen Sie mich an, bevor Sie an Ihrer Therapie etwas ändern. Und fragen Sie ruhig direkt, Sie müssen sich um Formulierungen keine Gedanken machen.

 

  • Zu trockenen Schleimhäuten insgesamt siehe Frage 7
  • Zu Hitzewallungen und weiteren Wechseljahresbeschwerden siehe Frage 8

 

  1. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Antihormontherapie bei Brustkrebs. https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/hormontherapie (zuletzt aufgerufen am 11.08.2026).
  2. mamazone e. V. Brustkrebs behandeln: Antihormontherapie – Nebenwirkungen. https://www.mamazone.de/diagnose-was-nun/brustkrebs-behandeln/antihormontherapie/nebenwirkungen/ (zuletzt aufgerufen am 11.08.2026).
  3. BRUSTKREBS – Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen 2025. Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. (AGO).
  4. Deutsche Krebshilfe. Die blauen Ratgeber - Hilfen für Angehörige. https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Hilfen-fuer-Angehoerige_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf (zuletzt aufgerufen am 11.08.2026).
  5. Onko-Internetportal. Krebs in der Familie – Hilfe für Angehörige; Stand: 08.07.2022. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/leben-mit-krebs/angehoerige-und-freunde/hilfe-fuer-angehoerige.html (zuletzt aufgerufen am 11.08.2026).
     

21. Ich habe einen Kinderwunsch. Ist eine Schwangerschaft möglich?

Das Wichtigste zuerst: Ja, eine Schwangerschaft nach Brustkrebs ist möglich.1 Kinderwunsch und Brustkrebs schließen sich nicht aus. Wie Sie am besten vorgehen, hängt von der Art Ihrer Behandlung ab. Deshalb sollten wir so früh wie möglich darüber sprechen.


Warum der Zeitpunkt entscheidend ist
Idealerweise sprechen Sie mit uns, bevor die Therapie beginnt.1 Manches kann man nur vorher tun – denn hat die Behandlung einmal begonnen, kann es sein, dass Ihnen einige Wege nicht mehr offen stehen. Unser Austausch ist aber auch dann sehr wichtig, falls Ihre Therapie bereits begonnen haben sollte. 


Was die Behandlung mit der Fruchtbarkeit machen kann
Einige Chemotherapien können in hohen Dosierungen die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.1 Bei jüngeren Frauen kann dadurch die Regelblutung ausbleiben. 
Zwei Wege können hier helfen: Zum einen lassen sich vor der Behandlung Eizellen entnehmen und später wieder einsetzen. Zum anderen gibt es Medikamente (sogenannte GnRH-Analoga), die die Funktion Ihrer Eierstöcke während der Chemotherapie schützen sollen, sodass danach wieder Eisprünge einsetzen.1

Dazu muss ich Ihnen ehrlich sagen: Sichere wissenschaftliche Aussagen liegen dazu noch nicht vor. Was für Sie infrage kommt, wägen wir deshalb gemeinsam ab.


Während der Antihormontherapie
Jetzt kommt der Teil, den Sie kennen sollten, um etwas besser planen zu können.

Während der fünfjährigen Antihormonbehandlung sollten Sie nicht schwanger werden, weil das Medikament Fehlbildungen beim Kind verursachen kann.2

Ja – fünf Jahre sind eine lange Zeit, gerade wenn man sich Kinder wünscht und eventuell auch das Alter eine Rolle spielt. Dass Sie darüber enttäuscht oder wütend sind, wäre nur verständlich. Ihr Wunsch wird dadurch natürlich nicht kleiner, und ich nehme ihn auch sehr ernst. 

Falls Sie also während der Therapie schwanger werden möchten, reden Sie bitte mit mir darüber. Eine Unterbrechung der Einnahme für einen Kinderwunsch ist möglich, sofern Sie die Therapie bereits seit mindestens 18 Monaten durchgeführt haben.3 Wichtig ist auch: Warten Sie drei Monate, bevor Sie versuchen, schwanger zu werden, damit das Medikament vollständig aus Ihrem Körper ausgeschieden ist und kein Fehlbildungsrisiko für das Kind mehr besteht. Sie sollten die Therapie dann aber nach spätestens zwei Jahren wieder aufnehmen bzw. spätestens zwei Jahre nach der Geburt – denn nur so lange darf die Unterbrechung höchstens dauern. Sichere wissenschaftliche Erkenntnisse liegen auch dazu noch nicht vor.2,3 Es ist eine Abwägung – aber eine, die wir gemeinsam treffen können.

Ich habe dazu noch zwei wichtige Hinweise: Solange Sie die Therapie einnehmen, ist eine zuverlässige Verhütung wichtig. Und: Setzen Sie die Therapie bitte nicht in Eigenregie ab. Nicht, weil Ihr Wunsch nicht zählt, sondern weil wir ihn gemeinsam planen sollten. 


Und danach?
Auch das ist eine Frage, die viele beschäftigt: Wie lange muss ich nach Abschluss der Therapie warten? Empfehlungen für einen „optimalen" Zeitpunkt oder für eine bestimmte Wartezeit gibt es nicht.1


Wo Sie weitere Unterstützung finden
Sie müssen das nicht allein klären. Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt, Ihr Brustzentrum und das Netzwerk fertiPROTEKT sind für Sie da.1 Sagen Sie einfach Bescheid – ich nenne Ihnen gern die passenden Kontakte.


Das Wichtigste in Kürze
Sprechen Sie Ihren Kinderwunsch an – auch wenn er noch vage ist. Auch wenn Sie unsicher sind, ob der Moment passt. Je früher wir davon wissen, desto mehr Wege stehen Ihnen offen.

 

  1. Onko-Internetportal. Kinderwunsch nach Brustkrebs; Stand: 03.06.2022. https://www.onko-portal.de/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/leben-mit-brustkrebs/kinderwunsch.html (zuletzt aufgerufen am 11.08.2026).
  2. Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientinnenleitlinie Brustkrebs im frühen Stadium; Stand: Dezember 2018. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-045OL (zuletzt aufgerufen am 11.08.2026).
  3. BRUSTKREBS – Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen 2025. Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. (AGO).
     

22. Arbeiten mit Krebs – was habe ich für Möglichkeiten und Ansprüche?

Vorweg das Wichtigste: Es gibt hier keinen richtigen Weg – es gibt nur Ihren. Manche Frauen pausieren, bis Operation, Therapie und Reha hinter ihnen liegen. Andere arbeiten weiter, weil ihnen der gewohnte Alltag guttut. Beides ist in Ordnung. Sie dürfen das für sich entscheiden – und Sie dürfen es sich unterwegs anders überlegen.

Und noch etwas: Wenn dieses Thema Ihnen Sorgen macht, sind Sie damit nicht allein. Für viele Frauen geht es hier um mehr als um Organisation. Es geht um Geld, um Sicherheit und um die Frage, ob der Arbeitsplatz später noch da ist. Diese Sorgen sind berechtigt. Und für vieles davon gibt es feste Regelungen und Menschen, die Sie dabei begleiten.
 

Arbeiten während der Behandlung
Wie viel möglich ist, hängt von Ihrer Behandlung ab, von Ihrem Arbeitsplatz und davon, wie es Ihnen geht. Unter einer Chemotherapie ist das von Frau zu Frau verschieden. Manche brauchen nach jeder Behandlung ein paar ruhige Tage und kehren dann in den Alltag zurück. Bei anderen fordern die Nebenwirkungen so viel, dass Arbeiten in dieser Zeit nicht der richtige Weg ist. Beides ist normal. Ähnlich ist es unter der Strahlentherapie. Die Antihormontherapie begleitet Sie über mehrere Jahre – viele Frauen arbeiten in dieser Zeit ganz normal weiter.

Wenn Sie körperlich anspruchsvoll arbeiten, Kundenkontakt haben oder das Gefühl haben, Ihre Arbeit nicht durchhalten zu können: Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber. Vielleicht lässt sich für die Dauer der Therapie ein weniger belastender Arbeitsplatz finden. Auch über eine Reduzierung der Arbeitszeit lässt sich sprechen – ob ein Anspruch darauf besteht, hängt unter anderem von der Größe des Betriebs und Ihrer Betriebszugehörigkeit ab.1


Was Sie sagen müssen – und was nicht
Ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wird über ein elektronisches Verfahren (eAU) von mir direkt an Ihre Krankenkasse und Ihren Arbeitgeber übermittelt. Sie müssen Ihrem Arbeitgeber aber dennoch schnellstmöglich melden, dass Sie arbeitsunfähig sind. Eine Auskunft darüber, warum Sie nicht arbeiten können, brauchen Sie nicht geben.1,2 
Mit wem Sie wann über Ihre Erkrankung sprechen, entscheiden also Sie. Viele Frauen halten den Arbeitsplatz bewusst als „krebsfreien" Bereich – das ist völlig legitim. Offenheit kann aber auch Vorteile haben: Denn wer weiß, wie lange Sie voraussichtlich ausfallen, kann besser planen und früher überlegen, wie er Sie später wieder eingliedern könnte. Und auch Kolleginnen und Kollegen können Sie nur dann unterstützen und Ihre Belastbarkeit einschätzen, wenn sie Bescheid wissen.


Wenn Sie sich um Ihren Arbeitsplatz sorgen
Eine Erkrankung schützt nicht automatisch vor einer Kündigung – das gehört zur Wahrheit dazu. Die Anforderungen sind aber hoch.1 

Deutlich stärker geschützt sind Sie mit einem anerkannten Grad der Behinderung von 50 oder mehr. Nach einer Brustkrebsdiagnose wird dieser Grad häufig anerkannt – ein Antrag lohnt sich fast immer. Dann braucht Ihr Arbeitgeber für eine Kündigung die Zustimmung des Integrationsamtes. Die Schwerbehindertenvertretung kann Sie hier gegebenenfalls beraten.1

Wenn Sie eine Kündigung befürchten: Wenden Sie sich an Ihren Betriebs- oder Personalrat, an Ihre Gewerkschaft oder an eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt für Arbeitsrecht. Und falls die Kündigung schon da ist, handeln Sie schnell. Für eine Klage bleiben Ihnen nur drei Wochen.


Ihr Einkommen während der Behandlung
Finanziell sind Sie in dieser Zeit abgesichert – und Sie müssen dafür nichts beantragen. Es greift automatisch, in zwei Schritten. Wenn nicht tarifvertraglich anders geregelt, zahlt Ihr Arbeitgeber sechs Wochen lang Ihr Gehalt weiter. Danach zahlt Ihre Krankenkasse Krankengeld: rund 70 Prozent Ihres Bruttogehalts, höchstens 90 Prozent Ihres Nettogehalts.1,2 Auf dem Konto kommt etwas weniger an, weil noch Sozialversicherungsbeiträge abgehen – denken Sie daran, wenn Sie planen.

Diese Unterstützung läuft lange: bis zu 78 Wochen innerhalb von drei Jahren wegen derselben Erkrankung, die sechs Wochen Ihres Arbeitgebers eingerechnet. Eine Bitte: Achten Sie darauf, dass Ihre Krankschreibungen nahtlos aneinander anschließen.1,2 

Eine Sache ist besonders wichtig: Wenn Ihre Krankenkasse Sie auffordert, eine Reha-Maßnahme durchzuführen, müssen Sie den Antrag innerhalb von zehn Wochen stellen. Sonst ruht Ihr Anspruch auf Krankengeld, bis Sie den Antrag nachholen.2 Sollte ein solches Schreiben kommen, lassen Sie es also bitte nicht liegen.
Überprüfen Sie außerdem, ob in Ihrem Vertrag Sonderregelungen vereinbart sind, etwa im öffentlichen Dienst. Für Selbstständige gelten andere Regeln – hier lohnt sich ein Blick auf Wahltarif oder Krankentagegeldversicherung.


Der Weg zurück: die stufenweise Wiedereingliederung
Sie müssen nicht von null auf hundert zurück. Bei der stufenweisen Wiedereingliederung – dem Hamburger Modell – beginnen Sie mit wenigen Stunden und steigern sich Schritt für Schritt auf Ihre volle Arbeitszeit. Den Stufenplan stellen wir gemeinsam auf und stimmen ihn mit Ihrem Arbeitgeber ab. Wie lange die Wiedereingliederung dauert, richtet sich nach Ihnen: meist sechs Wochen bis sechs Monate.1,2

Das Entscheidende: Während dieser Zeit bleiben Sie krankgeschrieben und erhalten weiter Kranken- oder Übergangsgeld. Und Sie können jederzeit abbrechen, wenn es Ihnen zu viel wird. Auch das ist ausdrücklich vorgesehen. Den Plan bekommen Sie von uns; einreichen müssen Sie ihn selbst – bei Ihrer Krankenkasse oder Rentenversicherung und bei Ihrem Arbeitgeber.

Wenn eine Rückkehr in Ihren bisherigen Beruf nicht möglich ist, gibt es einen anderen Weg: die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, oft „berufliche Reha" genannt. Dazu gehören Hilfen zum Erhalt Ihres Arbeitsplatzes, Weiterbildungen und unter Umständen eine Umschulung.1,2
 

Der Schwerbehindertenausweis – auch wenn das Wort erst einmal weh tut
Viele Frauen zögern an dieser Stelle. „Schwerbehindert" – so fühlt man sich nicht, so möchte man nicht heißen. Verständlich. Der Ausweis sagt aber nichts darüber, wer Sie sind. Er öffnet Ihnen Rechte, und Sie allein entscheiden, wem Sie ihn zeigen.

Nach der Erstdiagnose wird meist ein Grad der Behinderung von mindestens 50 anerkannt – für die Zeit der Heilungsbewährung, in der Regel fünf Jahre.1,2 Beantragen müssen Sie ihn selbst. Dafür bekommen Sie einiges: den besonderen Kündigungsschutz, Zusatzurlaub, bei Bedarf einen angepassten Arbeitsplatz, einen steuerlichen Pauschbetrag – und je nach Geburtsjahr die Aussicht, früher in Rente zu gehen.1,2

Den Antrag stellen Sie beim Versorgungsamt. Sie müssen sich damit nicht allein herumschlagen: Der Sozialdienst Ihres Brustzentrums kennt die Formulare und füllt sie mit Ihnen aus.1 Und je früher Sie ihn stellen, desto eher wirkt der Schutz.
 

Holen Sie sich Beratung – sie kostet Sie nichts
Wir begleiten Sie medizinisch. Bei Anträgen, Fristen und Sozialrecht sind andere die Fachleute – und es gibt Menschen, die den ganzen Tag nichts anderes tun.
 

Wohin Sie sich wenden können:

  • der Sozialdienst Ihres Brustzentrums oder Ihrer Reha-Klinik, meist der schnellste Weg
  • die Krebsberatungsstellen vor Ort
  • die Beratungsstellen der Landeskrebsgesellschaften
  • Infonetz Krebs, telefonisch und per E-Mail

Diese Angebote sind für Sie kostenfrei.
 

Ein Rat zum Schluss: Melden Sie sich früh – am besten schon, bevor die Behandlung beginnt. Fast alles in diesem Bereich läuft über Anträge und Fristen. Und: Wer früh fragt, hat mehr Möglichkeiten.

 

  1. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Arbeiten mit einer Krebserkrankung; Stand: 05.06.2024. https://www.krebsinformationsdienst.de/alltag-mit-krebs/arbeit-und-beruf (zuletzt aufgerufen am 11.08.2026).
  2. Deutsche Krebshilfe. Die blauen Ratgeber - Wegweiser zu Sozialleistungen. https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Sozialleistungen-bei-Krebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf (zuletzt aufgerufen am 11.08.2026). 
     

23. Kann ich verreisen? Und was muss ich dabei beachten?

Ja. Und das ist einer der Vorteile Ihrer Therapie: Sie haben Ihre Tabletten dabei, Sie sind nicht an feste Klinik- oder Infusionstermine gebunden. Sie können reisen – es braucht nur etwas Vorbereitung.


Was wir vorher besprechen sollten
Sagen Sie mir Bescheid, sobald die Reise feststeht. Drei Dinge klären wir dann gemeinsam.

  1. Das Rezept: Ich stelle Ihnen rechtzeitig aus, was Sie brauchen. Nichts ist ärgerlicher, als kurz vor dem Abflug zu merken, dass die Packung nicht bis zur Rückkehr ausreicht.
  2. Die Zeitverschiebung: Wenn Sie Zeitzonen überqueren, passen wir Ihren Einnahmerhythmus vorher an. Das lässt sich gut planen – schwierig wird es nur, wenn man es erst am Zielort merkt.
  3. Die Kühlung: Falls Ihr Präparat gekühlt werden muss, klären wir mit Ihnen oder Ihrer Apotheke, wie Sie das unterwegs am besten lösen. Meist genügt eine kleine Kühltasche mit Kühlakkus; manchmal kann das Medikament auch eine begrenzte Zeit bei Zimmertemperatur gelagert werden. 


Was in den Koffer gehört – oder genauer gesagt: ins Handgepäck
Ihre Medikamente reisen mit Ihnen, nicht im aufgegebenen Gepäck. Koffer können verloren gehen oder verspätet ankommen, und im Frachtraum herrschen teils erhebliche Temperaturschwankungen.

Packen Sie mehr ein, als Sie rechnerisch brauchen. Sei es ein verpasster Anschlussflug oder eine spontan verlängerte Reise – mit einer Reserve sind Sie darauf vorbereitet.

Dazu eine ärztliche Bescheinigung mit dem Namen des Medikaments, Dosierung und Grund der Einnahme, sowie eine Kopie Ihres Rezepts. Das hilft bei der Sicherheitskontrolle, falls Sie unterwegs eine Praxis aufsuchen müssen oder unerwartet Nachschub brauchen.

Ihren Medikamentenplan tragen Sie am besten immer bei sich. Und wenn Sie eine Tablettenbox für die Reisedauer vorsortieren, haben Sie alles mit einem Griff parat.
 

Am Urlaubsort
Ihre Medikamente gehören an einen trockenen Platz bei Zimmertemperatur, geschützt vor direkter Sonne. Meiden Sie Orte, an denen es heiß oder feucht wird oder die Temperatur stark schwankt – das Badezimmer ist der Klassiker.

Und denken Sie an Sonnenschutz: Ihre Haut kann in dieser Zeit empfindlicher sein. Nutzen Sie Lichtschutzfaktor 30 oder höher, auch bei bedecktem Himmel. Und falls Ihr Haar dünner geworden ist, schützt ein Hut die Kopfhaut zuverlässiger als jede Creme.
 

Ein Tipp, falls Ihre Füße taub sind oder kribbeln
Laufen Sie barfuß im Sand, am besten im feuchten Sand direkt am Wasser. Das beansprucht die Fußsohlen auf angenehme Weise und tut den Nerven gut. Wenn die Beschwerden ausgeprägt sind, gehen Sie es vorsichtig an, notfalls mit Stöcken – und passen Sie bei heißem Sand auf Ihre Füße auf.


Und dann?
Fahren Sie los. Nehmen Sie Ihre Tabletten mit, so wie Sie Ihre Zahnbürste mitnehmen. Den Urlaub haben Sie sich verdient.

 

Quellen:
Die Informationen basieren auf dem Podcast „My Time Talk“, Folge 9 „Umgang mit Nebenwirkungen der Brustkrebstherapie“. https://www.leben-mit-brustkrebs.de/mehr-infos/initiative-my-time/nebenwirkungen-09-2024 (zuletzt aufgerufen am 12.08.2026). 
 

24. Muss ich meine Ernährung umstellen? Und: Was ist dran an all den Tipps?

Umstellen müssen Sie nichts. Aber kaum ein Thema bringt so viele gut gemeinte Ratschläge mit sich wie dieses. Manche davon sind hilfreich, manche harmlos, und einige können Ihrer Therapie tatsächlich schaden. Deshalb sortieren wir das jetzt alles erst einmal. 


Warum es keine Krebsdiät gibt
Eine Diät, die den Tumor heilt, gibt es nicht – keinen Ernährungsplan, kein einzelnes Lebensmittel, und auch keine Kombination. Und für die verschiedenen Sonderdiäten, die dafür empfohlen werden, fehlt bis heute der Nachweis, dass sie im Vergleich zu einer normalen, ausgewogenen Ernährung tatsächlich einen Unterschied machen können.1
Das heißt nicht, dass Ernährung egal wäre. Eine ausgewogene Ernährung kann Ihre Kräfte mobilisieren und der Erschöpfung entgegenwirken.1 Und das ist eine gute Grundlage. 

Häufig empfohlen wird die ketogene Diät: also ein weitgehender Verzicht auf Zucker und Kohlenhydrate, dafür ein sehr hoher Fettanteil von rund 80 Prozent. Aber auch dafür fehlt der Nachweis.1 Und es ist fraglich, ob eine so einseitige Ernährung überhaupt gesund ist. Das ist das Grundproblem einseitiger Konzepte: Wer nur noch eines isst und anderes streicht, bringt den Körper auf Dauer aus dem Gleichgewicht.2


Was ist mit den Studien zu einzelnen Lebensmitteln?
Die gibt es, und sie zeigen mitunter krebshemmende Effekte – allerdings überwiegend in Zellkulturen oder Tierversuchen, mit Dosierungen, die sich über normale Ernährung gar nicht erreichen lassen. Auf den Menschen sind sie deshalb nur bedingt übertragbar.

Essen Sie Brokkoli und Beeren also gern, weil sie gut sind. Aber: Niemand muss eine bestimmte Menge einer bestimmten Sorte schaffen, um etwas richtig zu machen.


Nahrungsergänzungsmittel – hier wird es tatsächlich riskant.
Sehr viele Patientinnen nehmen zusätzlich etwas ein. Das Prinzip dabei ist einfach: Liegt ein Mangel vor, ist Ergänzen sinnvoll. Liegt keiner vor, kann es eher schaden als helfen.1

Dazu kommt: Hochdosierte Präparate können mit Ihren Krebsmedikamenten in Wechselwirkung treten. Und das kann sogar so weit gehen, dass die Wirkung Ihrer Therapie herabgesetzt wird.

Deshalb: Bitte nehmen Sie nichts ein, ohne dass wir vorher darüber gesprochen haben. Ob ein Mangel vorliegt, sehen wir im Blut. Und falls dem so sein sollte, können wir gezielt ergänzen.1 


Was tatsächlich trägt
Eine ausgewogene, mediterran geprägte Kost, wie man sie aus Südeuropa kennt. Das bedeutet: Viel Gemüse und Obst in verschiedenen Farben, hochwertige Öle, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Kerne. Ein- bis zweimal pro Woche Fisch, Fleisch in Maßen und am besten nichts Gepökeltes oder Geräuchertes. Etwa anderthalb Liter am Tag trinken. Wenig Salz, dafür reichlich Kräuter verwenden.1
 

Während einer Behandlung gilt: Bitte Grapefruitsaft und ähnliches wegen möglicher Wechselwirkung mit Arzneimitteln meiden.1
 

Und wie sieht es mit dem Glas Wein aus?
Da bin ich ehrlich: Alkohol ist grundsätzlich nicht gut. Und die Mengen, die als unbedenklich gelten, sind sehr klein.1,3 Wenn Sie aber mal ein Glas trinken, dann genießen Sie es. Und trinken Sie ein großes Glas Wasser dazu.


Wenn Sie unter der Therapie zunehmen
Das macht vielen Frauen zu schaffen, deshalb sage ich es deutlich: Das ist keine Willensschwäche. Unter der Antihormontherapie nehmen viele Frauen einige Kilo zu.3 Und den wenigsten gelingt es, in dieser Zeit abzunehmen.

Ich verstehe gut, wenn Sie das ändern möchten. Nur führt der Weg dahin selten über die nächste Diät. Er führt eher über eine gesunde Basis und Bewegung: Radfahren, Schwimmen, Laufen, Gehen, was Ihnen liegt. Wenn Sie regelmäßig aktiv sind, bauen Sie Muskeln auf, die ebenfalls Gewicht haben – die Waage sagt demnach dann weniger aus, als Sie denken.4

Selbst wenn Sie nicht abnehmen: Mit einem insgesamt gesunden Lebensstil tun Sie sehr viel für sich, und dann fallen ein paar Kilo nicht ins Gewicht. Und eine starke Gewichtsabnahme durch einseitige Diäten wäre umgekehrt weder für Ihre Gesundheit noch für Ihre Therapie gut.1


Und der Kuchen?
Ein Stück Kuchen macht nichts kaputt. Sie haben genug, was Sie beschäftigt – da müssen Sie sich nicht auch noch beim Essen zusammenreißen. Wichtig ist, was Sie überwiegend tun, nicht was Sie ab und zu tun.

Und verzichten Sie ruhig auf gesunde Lebensmittel, die Ihnen nicht bekommen. Gerade nach Operationen wird nicht alles vertragen, was auf den Empfehlungslisten steht.


Wann Sie mich ansprechen sollten
Wenn Sie ohne Absicht deutlich abnehmen, sagen Sie mir bitte Bescheid.1,2 Gut versorgt zu sein ist wichtig dafür, dass Sie Ihre Therapie gut vertragen.
Wenn Sie Ihre Essgewohnheiten in Ruhe durchsprechen möchten, kann auch eine Ernährungsberatung sehr hilfreich sein1, Brustzentren haben in der Regel entsprechende Fachkräfte. Und sagen Sie mir anschließend bitte, was Ihnen dort empfohlen wurde. Denn es ist wichtig, dass wir wissen, was Sie ergänzend tun.

 

  • Zu Ernährung bei Übelkeit siehe Frage 4
  • Zu Ernährung bei trockenen Schleimhäuten siehe Frage 7

 

  1. Stiftung Deutsche Krebshilfe. Die blauen Ratgeber – Ernährung bei Krebs. https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Ernaehrung-bei-Krebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf (zuletzt aufgerufen am 10.08.2026).
  2. Arends J, Bertz H, Bischoff SC, et al. Klinische Ernährung in der Onkologie. Aktuel Ernahrungsmed 2015;40:e1–e74. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/073-006OL (zuletzt aufgerufen am 10.08.2026).
  3. BRUSTKREBS – Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen 2025. Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. (AGO).
  4. Stiftung Deutsche Krebshilfe e. V. Die blauen Ratgeber: Bewegung und Sport bei Krebs. https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Bewegung-und-Sport-bei-Krebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf (zuletzt aufgerufen am 10.08.2026). 
     

25. Ich habe Angst, dass der Krebs zurückkommt. Was kann ich tun?

Diese Angst kennen viele Frauen nach einer Brustkrebstherapie. Sie ist keine Schwäche und kein Zeichen dafür, dass Sie die Erkrankung nicht verarbeitet hätten. Sie ist eine nachvollziehbare Reaktion auf das, was Sie erlebt haben.


Warum sie nach der Therapie oft stärker wird
Während der Behandlung waren Sie engmaschig betreut: Termine, Kontrollen, ein Plan. Wenn das wegfällt, kann es ungewohnt oder sogar beängstigend sein, nicht mehr so eng begleitet zu werden. Vielleicht fühlt es sich für Sie jetzt grad sogar so an, als läge die Verantwortung nun allein bei Ihnen.

Genau dafür gibt es die Nachsorge. Sie hilft, Veränderungen frühzeitig zu bemerken. Und sie bietet Ihnen weiterhin ein sicheres Netz. Sie ist also nicht nur eine Untersuchung, sondern auch ein fester Anlass, Sorgen und Unsicherheiten anzusprechen.1 Nehmen Sie diese Termine also wahr – auch wenn es Ihnen gut geht.

Außerdem sollten Sie regelmäßig Ihre Brust selbst abtasten – so, wie es für jede Frau empfohlen wird.1 Ein fester Rhythmus reicht völlig, tägliches Kontrollieren macht die Sorge eher größer. Sollte Ihnen etwas auffallen, kommen Sie bitte direkt zu mir.
 

Wenn die Gedanken kreisen

Zwei Dinge helfen vielen Frauen in diesen Momenten: 

Das eine ist eine Rückfrage an sich selbst: Würde ich das einer guten Freundin so sagen? Wenn nicht, formulieren Sie eine freundlichere Version. Aus „Ich müsste damit besser klarkommen" wird dann nämlich: „Das ist wirklich schwer – und ich tue mein Bestes."

Das andere ist das Aufschreiben. Wenige Minuten täglich genügen, und zwar ohne Anspruch auf Perfektion: Wie geht es mir heute? Wofür bin ich dankbar? Was hat mich belastet, und wie bin ich damit umgegangen? Das kann Abstand schaffen und dabei helfen, Gefühle besser einzuordnen.2


Was auf Dauer wichtig ist
Reservieren Sie sich feste Zeiten für sich, und tragen Sie diese auch wirklich in Ihren Kalender ein. Bleiben Sie in Bewegung.3 Und pflegen Sie, was Ihnen guttut. Das können Hobbies oder auch Menschen in Ihrem Umfeld sein. 

Die Diagnose anzunehmen ist ein Prozess, der Zeit braucht. Akzeptanz hilft, die Kontrolle über das zu übernehmen, was Sie tatsächlich beeinflussen können.


Sprechen Sie darüber
Viele Frauen tragen diese Angst mit sich, weil sie ihre Angehörigen nicht belasten möchten. Dabei wären die oft dankbar, gefragt zu werden. Sie würden gerne helfen – wissen aber nicht, wie. Zögern Sie also nicht, jemanden ins Vertrauen zu ziehen. Und auch der Austausch mit anderen Betroffenen wird von vielen als positiv bewertet, zum Beispiel über Selbsthilfeorganisationen.1

Sie müssen das alles nicht allein mit sich ausmachen: Psychoonkologinnen und Psychoonkologen sind speziell dafür ausgebildet, Menschen durch die seelischen und sozialen Folgen einer Krebsdiagnose zu begleiten.1 Sagen Sie mir Bescheid, wenn Sie einen Kontakt möchten – der lässt sich auch über Brustzentren vermitteln.


Wann Sie nicht länger warten sollten
Melden Sie sich, wenn die Angst Ihren Alltag bestimmt, wenn Sie nachts wach liegen oder wenn Sie merken, dass Sie sich zurückziehen. Anhaltende Belastung und Schlafprobleme können auf Dauer die Stimmung beeinträchtigen.4 Sprechen Sie das Problem also an, bevor es sich festsetzt.


Und das Wichtigste
Sie sind dieser Sorge nicht ausgeliefert. Ihre Therapie ist genau das, was Ihr Rückfallrisiko senken kann: An jedem Tag, an dem Sie Ihre Medikamente nehmen, tun Sie bereits etwas dagegen.4

 

  1. BRUSTKREBS – Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen 2025. Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. (AGO).
  2. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Fatigue bei Krebs: Was tun bei Müdigkeit und Erschöpfung? https://www.krebsinformationsdienst.de/nebenwirkungen-bei-krebs/fatigue (zuletzt aufgerufen am 10.08.2026).
  3. Stiftung Deutsche Krebshilfe e. V. Die blauen Ratgeber: Bewegung und Sport bei Krebs. https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Bewegung-und-Sport-bei-Krebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf (zuletzt aufgerufen am 10.08.2026).
  4. Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientinnenleitlinie Brustkrebs im frühen Stadium; Stand: Dezember 2018. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-045OL (zuletzt aufgerufen am 10.08.2026). 
     

26. Wann sollte ich mir psychologische Unterstützung holen – und wie finde ich sie?

Die Antwort ist einfacher, als Sie vielleicht denken: Sie müssen nicht abwarten, bis es „schlimm genug" ist. Allein die Tatsache, dass Sie mit dieser Erkrankung konfrontiert sind, ist Grund genug, sich Unterstützung zu holen – wenn Sie das möchten.


Was Psychoonkologie eigentlich ist
Psychoonkolog:innen sind speziell dafür ausgebildet, Menschen mit einer Krebserkrankung psychisch zu begleiten.1 Sie unterstützen dabei, einen Umgang mit der Diagnose und der Therapie zu finden, damit Ängste und Zweifel nicht die Oberhand behalten – und wieder Raum zum Durchatmen bleibt.

Und noch etwas Wichtiges gleich vorweg: Das hat nichts damit zu tun, „nicht richtig im Kopf" zu sein. Es geht darum, dass Sie in einer außergewöhnlich schwierigen Lage sind, die Unterstützung verdient.


Warum die Angst dazugehört
Mit einer Krebsdiagnose zieht die Angst mit ein. Sie ganz loswerden können die wenigsten. Was hilft, ist zu lernen, mit ihr umzugehen, statt gegen sie zu kämpfen.
Dabei können Psychoonkologinnen und Psychoonkologen ganz praktisch helfen. Ein Beispiel für akute Angstspitzen – etwa im Wartezimmer vor einem Befundgespräch: Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit ganz bewusst auf Ihren Körper: Wo genau berührt Ihr Oberschenkel den Stuhl, wo nicht? Wo berühren Ihre Fußsohlen den Boden? Oder konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem – atmen Sie bewusst in die eine, dann in die andere Körperhälfte. Solche einfachen, fast mechanischen Übungen können einen Angstkreislauf unterbrechen, weil sie Ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenken.

Auch Entspannungstechniken helfen vielen Frauen, besonders wenn Ängste hochkommen. Yoga oder Qigong lassen sich schon nach kurzer Anleitung selbstständig üben. Autogenes Training wirkt ebenfalls gut.2,3


Wie lange dauert das?
Meist geht es zunächst um eine kurzfristige Begleitung – durch eine akute Krise wie eine erste Diagnose oder einen Rückfall. Es kann daraus aber auch eine längerfristige Begleitung werden – je nachdem, was Sie gerade brauchen. 


Wie Sie einen Termin finden
Hier will ich ehrlich sein: In Kliniken und Brustzentren gibt es meist feste Ansprechpartner, außerhalb wird es oft schwieriger. Es gibt insgesamt zu wenig Psychoonkolog:innen, und die Wartezeiten können lang sein. Das ist mühsam, und es ist verständlich, wenn Sie das entmutigt. Trotzdem lohnt es sich, dranzubleiben.

Fragen Sie in Ihrem Brustzentrum nach – dort gibt es oft ein Netzwerk niedergelassener Psychoonkolog:innen in der Nähe. Und sollte es bei einer bestimmten Person nicht passen, ist das völlig in Ordnung. Nicht jede Chemie stimmt auf Anhieb. Und eine Begleitung kann nur helfen, wenn Sie sich dabei aufgehoben fühlen. Suchen Sie sich dann ruhig jemand anderen.


Wann Sie sich melden sollten
Immer dann, wenn Sie merken, dass die Sorgen oder die Erschöpfung Ihren Alltag zunehmend bestimmen. Ein frühes Erstgespräch kann genau der Moment sein, der Ihnen hilft, wieder festen Boden zu finden. Sie benötigen dafür keinen konkreten Anlass.1-3


Dranbleiben
Vielen hilft es, sich folgendes vorzustellen: Eine Diagnose oder ein Rückschlag ist wie ein kurzer, heftiger Schleudergang. Irgendwann beruhigt sich die Maschine wieder. Unterstützung für die Seele in dieser Zeit hilft Ihnen, durch diesen Schleudergang zu kommen. Und das ist wertvoll – unabhängig davon, ob Sie den Support kurz oder länger brauchen.

 

  1. BRUSTKREBS – Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen 2025. Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. (AGO).
  2. Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientenleitlinie Komplementärmedizin; Stand: Juli 2021. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-055OL (zuletzt aufgerufen am 30.06.2026).
  3. Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientinnenleitlinie Brustkrebs im frühen Stadium; Stand: Dezember 2018. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-045OL (zuletzt aufgerufen am 10.08.2026). 
     

27. Wie läuft die Nachsorge ab – und wie oft muss ich kommen?

Nach Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung folgt meist die Anschlussbehandlung. Dies ist eine Reha, in der Sie wieder Kraft tanken können. Die Reha kann stationär erfolgen und dauert dann in der Regel drei Wochen. Eine ambulante Behandlung ist aber auch möglich.

Danach beginnt die Nachsorge. Jetzt geht es nicht mehr darum, den Krebs zu behandeln, sondern darum, regelmäßig hinzuschauen. Am Anfang sind die Termine engmaschig, mit den Jahren immer seltener.1,2 Ich sage Ihnen gern genau, was wann ansteht.
 

Wie oft Sie kommen

Jahr 1 bis 3: Alle drei Monate.1,2 Der Rhythmus ist am Anfang bewusst eng, weil das Rückfallrisiko in den ersten Jahren nach der Diagnose am höchsten ist.1 Genau deshalb schauen wir in dieser Zeit besonders sorgfältig hin.

Jahr 4 und 5: Alle sechs Monate.1

Ab dem 6. Jahr: Einmal jährlich.1 Diese jährlichen Kontrollen laufen weiter – wie lange genau, besprechen wir im Verlauf dann gemeinsam.


Welche Bilduntersuchungen dazukommen
Wenn Sie brusterhaltend operiert wurden, kontrollieren wir die operierte Brust per Mammografie und Ultraschall. In den ersten drei Jahren mindestens einmal jährlich, danach einmal pro Jahr.1,2

Wurde Ihre Brust entfernt, untersuchen wir die Brustwand per Ultraschall – ebenfalls in den ersten drei Jahren mindestens einmal jährlich und danach einmal pro Jahr.1
Ihre nicht betroffene Brust schauen wir uns durchgehend einmal pro Jahr mit Mammografie und Ultraschall an.1,2


Was bei einem Termin passiert
Das sind zwei Dinge: eine körperliche Untersuchung und ein Gespräch.1

Das Gespräch ist dabei kein Beiwerk, sondern sehr wichtig. Ich frage Sie nach Beschwerden: Schmerzen, Auffälligkeiten, Husten, Kopfschmerzen – alles, was Ihnen aufgefallen ist. Denn die Nachsorge richtet sich in erster Linie danach, was Sie berichten. Ergibt sich aus Ihren Schilderungen oder aus der Untersuchung ein Hinweis, gehen wir diesem gezielt nach.
 

Warum wir nicht routinemäßig „alles durchleuchten"
Diese Frage stellen viele Frauen, und sie ist berechtigt. Röntgen, Computertomografie, Kernspin oder eine Untersuchung der Knochen gehören nicht zur routinemäßigen Nachsorge. Und auch Blutuntersuchungen nicht.1,2 Diese Verfahren setzen wir erst dann ein, wenn beim Abtasten oder in der Mammografie etwas auffallen sollte. Der Grund hierfür ist, dass Studien gezeigt haben: Die Suche nach Metastasen bei Patientinnen ohne Hinweise darauf bringt keinen Überlebensvorteil.


Was die Nachsorge außerdem leistet
Nachsorge ist mehr als eine regelmäßige Kontrolle, sie ist Ihre feste Anlaufstelle. Hier begleiten wir Ihre Antihormontherapie, behandeln Nebenwirkungen und Spätfolgen und schauen, was Sie sonst noch brauchen. Wenn es um Ihre körperliche Leistungsfähigkeit geht, um Ängste, um Ernährung oder um den Wiedereinstieg in den Beruf, vermitteln wir Sie gezielt weiter.2


Wer die Nachsorge macht
Das können Sie selbst entscheiden. Meist übernimmt eine gynäkologische Praxis die Nachsorge und koordiniert alles Weitere, möglich ist aber auch eine onkologische Praxis oder Klinik. Zwei Dinge sollten stimmen: Erfahrung in der Nachbetreuung von Frauen mit Brustkrebs und Ihr Gefühl, dort gut aufgehoben zu sein.


Wann Sie nicht bis zum nächsten Termin warten sollten
Wenn Ihnen etwas auffällt, das neu ist und nicht von allein verschwindet, melden Sie sich bitte. Vieles löst sich innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst wieder auf. Wenn Sie so lange abwarten möchten, ist das in Ordnung. Was darüber hinaus bleibt oder stärker wird, sollten wir uns ansehen. Und wenn Sie lieber gleich fragen möchten, ist das genauso richtig.

Ich weiß, dass das schwer zu beurteilen ist. Unter der Antihormontherapie zwickt es mal hier und die Gelenke ziehen dort.1,3 Wie sollen Sie da unterscheiden, was dazugehört und was nicht? Genau dafür bin ich da.


Dranbleiben
Viele Frauen werden vor jedem Nachsorgetermin nervös. Das ist völlig normal. Und Sie dürfen es ruhig aussprechen, wenn Sie mit einem mulmigen Gefühl kommen. Manchmal hilft es schon, das laut zu sagen.

Ich möchte Sie ermutigen, die Termine wahrzunehmen – auch wenn es Ihnen gut geht. Die Nachsorge ist die beste Vorsorge nach einer Brustkrebserkrankung: Sollte etwas wiederkommen, entdecken wir es frühzeitig und können sofort handeln.2 Und sie ist ein Netz, das Sie auffängt – auch wenn Sie es nie brauchen sollten.
 

  • Zu Rückfallangst siehe Frage 15
  • Zu Nebenwirkungen der Antihormontherapie siehe Frage 8

 

  1. Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientinnenleitlinie Brustkrebs im frühen Stadium; Stand: Dezember 2018. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-045OL (zuletzt aufgerufen am 12.08.2026).
  2. BRUSTKREBS – Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen 2025. Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. (AGO).
  3. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Antihormontherapie bei Brustkrebs. https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/hormontherapie (zuletzt aufgerufen am 12.08.2026).
     

28. Thema Rückfall: Auf welche Anzeichen soll ich achten – und wann muss ich mich melden?

Diese Frage stellen fast alle Frauen nach Abschluss der Behandlung. Ich beantworte sie gern – und sage Ihnen gleich dazu, was Sie dabei nicht tun müssen: sich in einen Zustand ständiger Selbstbeobachtung versetzen.


Warum Sie überhaupt darauf achten sollten
Unsere Nachsorge richtet sich in erster Linie danach, was Sie berichten. Bei jedem Termin frage ich Sie nach Beschwerden – nach Schmerzen, nach Husten, nach Kopfschmerzen und nach allem, was Ihnen an Ihrem Körper aufgefallen ist. Ergibt sich daraus ein Hinweis, gehen wir diesem gezielt nach.1


Woran Sie sich orientieren können
Es gibt keine Liste von Symptomen, die Sie täglich abhaken müssten. Hilfreicher sind diese drei Fragen:

Ist es neu? Also etwas, das Sie so vorher nicht kannten.
Bleibt es? Damit sind Beschwerden gemeint, die nicht von selbst nachlassen oder sogar stärker werden.
Gibt es eine Erklärung? Ein Muskelkater nach dem Umzug ist beispielsweise etwas anderes als ein Schmerz, der ohne jeden Anlass gekommen ist.


Die Brust selbst untersuchen
Tasten Sie Ihre Brust und die operierte Seite einmal im Monat ab – so, wie es für jede Frau empfohlen wird. Sollte Ihnen dabei etwas auffallen, zum Beispiel neue Verhärtungen oder Knoten, wenden Sie sich bitte direkt an mich.1,2


Was daran wirklich schwer ist
Damit ist die eigentliche Schwierigkeit noch nicht gelöst. Unter der Antihormontherapie zwickt es hier, ziehen die Gelenke dort.1,3 Dazu kommt, dass wir alle älter werden und wir auch das merken. Wie sollen Sie da unterscheiden, was zur Therapie gehört, was zum Alter und was zu keinem von beidem?

Oft können Sie das nicht – und Sie müssen es auch nicht. Diese Einordnung gehört zu meiner Arbeit. Ihre Aufgabe ist es, mir zu erzählen, was Ihnen auffällt.


Wann Sie sich melden sollten
Bei vielem lohnt sich Geduld: Beschwerden verschwinden häufig innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst wieder. Wenn Sie so lange abwarten möchten, ist das völlig in Ordnung. Was darüber hinaus bleibt oder stärker wird, sollten wir uns ansehen – dann auch gern vor dem nächsten regulären Termin.

Sie können aber genauso gut sofort fragen. Niemand muss eine Sorge erst zwei Wochen mit sich herumtragen, nur weil es eine Faustregel gibt. 


Was ich Ihnen mitgeben möchte
Vieles, was Frauen in der Nachsorge ansprechen, stellt sich als harmlos heraus. Das ist der Normalfall, nicht die Ausnahme.

Und Sie sind damit nicht allein. Neben Ihrer eigenen Aufmerksamkeit sind da die regelmäßigen Untersuchungen, die Bildgebung – und ich. Sie müssen Ihren Körper nicht kontrollieren. Es reicht, wenn Sie hinschauen, sobald sich etwas verändert.

 

  • Zu Rückfallangst siehe Frage 15
  • Zum Ablauf der Nachsorge siehe Frage 17

 

  1. Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientinnenleitlinie Brustkrebs im frühen Stadium; Stand: Dezember 2018. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-045OL (zuletzt aufgerufen am 12.08.2026).
  2. BRUSTKREBS – Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen 2025. Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. (AGO).
  3. Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Antihormontherapie bei Brustkrebs. https://www.krebsinformationsdienst.de/brustkrebs/hormontherapie (zuletzt aufgerufen am 12.08.2026).