Psoriasis: Die Rolle der Interleukine
Viele Vorgänge in der Immunpathogenese der Psoriasis konnten in den letzten Jahrzehnten aufgeklärt werden. Umfangreiche Forschungen haben gezeigt, dass T-Helfer-17-Zellen (TH17-Zellen) und die IL-23/IL-17-Achse bei der Pathogenese der Psoriasis eine wichtige Rolle spielen.1,2 Als zentrale Signalgeber im Entzündungsgeschehen haben sich die Interleukine (IL) IL-17 und IL-23 herauskristallisiert.1–3 Die Aufmerksamkeit für die Zytokine wurde durch den Nachweis erhöhter Spiegel in Psoriasisplaques und im Serum der Patient*innen geweckt.2
Die IL-23 / IL-17-Achse im Kontext von Psoriasis
Um die Rolle der Interleukine in der Psoriasis besser zu verstehen, gilt es die zugrunde liegende immunologische Kaskade entlang der IL-23/IL-17-Achse nachzuvollziehen: Aufgrund verschiedener Reize schütten Keratinozyten zunächst proinflammatorische Zytokine aus, z. B. Tumornekrosefaktor-α (TNF-α), IL-6 oder IL-1ß.1 Das führt zur Aktivierung dendritischer Zellen mit Freisetzung von IL-23. Naive T-Zellen differenzieren daraufhin zu TH17-Zellen und sezernieren u. a. IL-17A. Die Zytokine IL-23 und IL-17 tragen wesentlich zur Aufrechterhaltung und Verstärkung der Entzündungsreaktion bei.2,4
Die funktionelle Rolle von IL-23 und IL-17 in der Psoriasis
IL-23 entfaltet seine Wirkungen über den IL-23-Rezeptor, der auf Gedächtniszellen, natürlichen Killerzellen, Mastzellen, Neutrophilen, Makrophagen und angeborenen lymphoiden Zellen exprimiert wird.2 Es spielt eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung und Aktivierung von TH17-Zellen und trägt damit zur Aufrechterhaltung der Entzündungsreaktion bei. Auch unabhängig von TH17 scheint IL-23 an der Pathogenese der Psoriasis beteiligt zu sein: Aus Mausmodellen ist bekannt, dass es nach Injektion direkt Psoriasis-artige Läsionen induzieren kann.2,5 In den Läsionen selbst fördert es u. a. eine anhaltende Sekretion von IL-17 durch Effektor- und Gedächtnis-T-Zellen.2
IL-17 fungiert als zentrales Effektorzytokin in der Entzündungskaskade und liegt in mehreren Isoformen vor, wobei IL‑17A die für die Psoriasis relevanteste Isoform darstellt.1 Die Rezeptoren, an die es bindet, werden u. a. von Epithel- und Endothelzellen sowie Fibroblasten exprimiert.1 Nach Bindung an seinen Rezeptor regt es Keratinozyten dazu an, proinflammatorische Mediatoren und antimikrobielle Peptide zu produzieren2, was eine Entzündung des Gewebes begünstigt und zu sich selbst erhaltenden Entzündungskreisläufen führt.5
Über die Haut hinaus sind IL-17 und IL-23 an weiteren, systemischen Entzündungsprozessen beteiligt: IL-17 und IL-23 haben auch Anteil an der Entstehung einer Psoriasis-Arthritis und von Komorbiditäten.1,6 Es gibt Hinweise darauf, dass IL-17 vermittelte inflammatorische Prozesse bei der Entwicklung kardiometabolischer Begleiterkrankungen und einer möglichen axialen Spondylarthritis mitwirken. IL-23 abhängige Entzündungsprozesse scheinen u. a. in der Pathogenese von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen bedeutsam.6
Das bessere Verständnis dieser Mechanismen hat dazu beigetragen, dass heute u.a. Biologika für die Therapie der Psoriasis zur Verfügung stehen, welche gezielt die IL-17/IL-23-Achse adressieren.1,2,6
Referenzen
- Sondermann W, Körber A, Kompass Dermatol 2018; 6 (2):69-78, https://karger.com/kkd/article-pdf/6/2/69/3058047/000486982.pdf (zuletzt aufgerufen am 26.03.2026).
- Potestio L, et al. Clin Cosmet Investig Dermatol 2024;17:829-842.
- Boehncke WH, et al. Expert Rev Clin Immunol 2021;17(1):5-13.
- Zhou X, et al. Cell Death & Disease 2022;13(81):1-13.
- Chan JR, et al. J Exp Med 2006;203(12):2577-87
- Menter A, et al. Dermatol Ther 2021;11(2):385-400.