Die Schritte zur Diagnose
Gemäß der S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) gehören zur Basis der Diagnostik die sorgfältige Anamnese und die neurologische Untersuchung, ergänzt durch eine kraniale und spinale Magnetresonanztomografie (MRT) sowie eine Liquoruntersuchung.2 In der Leitlinie wird zudem zur Lues- und Borrelien-Serologie im Serum geraten, bei positivem Befund auch im Liquor. Eine Untersuchung auf die intrathekalen Antikörper gegen Masern-, Röteln- und Varizella-Zoster-Viren (MRZ-Reaktion) empfiehlt sie ebenfalls. Zusätzlich können vor allem für die Differenzialdiagnostik elektrophysiologische Untersuchungsmethoden erwogen werden, insbesondere die visuell evozierten Potenziale (VEP).
Beim Verdacht auf mögliche Differenzialdiagnosen wird in der Leitlinie zu weiterführenden oder Zusatzuntersuchungen geraten. Das ist zum Beispiel der Fall
- bei Auffälligkeiten in der MRT wie Raumforderungen,
- in der Liquordiagnostik (keine oligoklonalen Banden im Liquor) sowie
- bei anamnestischen (zum Beispiel Alter über 55 Jahre bei Erstmanifestation) oder
- klinischen Auffälligkeiten wie begleitenden Allgemeinsymptomen.
- Als Differenzialdiagnosen kommen entzündliche/infektiöse Erkrankungen, vaskuläre Krankheiten oder Tumoren in Betracht.
Anamnese und klinische Diagnostik
Trotz der Verfügbarkeit moderner bildgebender und labordiagnostischer Verfahren kommt der Anamnese mit anschließender klinischer neurologischer Untersuchung eine unverändert hohe Bedeutung als Basis der MS-Diagnostik zu.1 Nicht selten haben Patient*innen schwer fassbare Beschwerden oder solche, die nicht auf den ersten Blick auf eine MS hindeuten. Dazu gehören Fatigue, kognitive Störungen, Störungen von Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit oder Konzentration, depressive Verstimmungen, Schmerzen oder sexuelle Funktionsstörungen.1 Im Hinblick auf die Symptome der MS ist es wichtig, die zeitliche Dynamik der Beschwerden sowie Hinweise auf früher stattgehabte Schübe (zum Beispiel Episoden von Sehstörungen oder Lähmungen) zu erfragen.4
In der anschließenden neurologischen Untersuchung werden folgende Funktionen getestet:5
- Grobe Kraft und Feinmotorik
- Sensibilität
- Koordination
- Gleichgewicht
- Hirnnervenfunktionen
Neurophysiologische Diagnostik und MRT
In den neurophysiologischen Untersuchungen können Latenzverlängerungen infolge der Demyelinisierung vor allem bei den visuell und somatosensibel evozierten Potenzialen erkennbar werden. Im Verlauf der MS weist sie die Mehrzahl der Patient*innen auf.4
In der MRT können multilokuläre ovale oder rundliche Läsionen auf eine MS hindeuten. Anfangs sind sie relativ scharf begrenzt, später konfluieren sie.4 Die Bildgebung mittels MRT dient auch der regelmäßigen Verlaufskontrolle.4
Liquordiagnostik
Die Liquordiagnostik ist entscheidend für die Abklärung von Differenzialdiagnosen.4 Der Nachweis oligoklonaler Banden ersetzt den MRT-Nachweis einer zeitlichen Dissemination.3 Die Liquoranalyse allein kann aber nur den Hinweis liefern, dass es sich um eine chronisch entzündliche Erkrankung handelt, MS-spezifische Liquorbefunde gibt es bislang nicht.6
Referenzen
- https://www.dmsg.de/multiple-sklerose/symptome.
- Hemmer B, et al. S2k-Leitlinie, 2023, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie. www.dgn.org/leitlinien (zuletzt aufgerufen am 04.09.2024,).
- Thompson AJ, Lancet Neurol. 2018;17(2):162–173.
- Amboss. Multiple Sklerose. https://next.amboss.com/de/article/WR0PNf#Zfc37457ca8f0aea91134b8e6e325e935 (zuletzt aufgerufen am 03.09.2024).
- Marianne-Strauss-Klinik. Leistungsspektrum/Diagnostik. https://www.ms-klinik.de/de/leistungsspektrum/diagnostik.html (zuletzt aufgerufen am 03.09.2024).
- Springer Medizin. Multiple Sklerose: Diagnose. https://www.springermedizin.de/emedpedia/klinische-neurologie/multiple-sklerose-diagnostik?epediaDoi=10.1007%2F978-3-662-44768-0_159 (zuletzt aufgerufen am 03.09.2024).