Proteinurie
Eine erhöhte Eiweißausscheidung im Urin kann ein Hinweis auf eine Schädigung der Nieren sein und stellt gleichzeitig einen Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen dar. In jedem Fall muss eine Proteinurie abgeklärt werden.1
Obwohl die glomeruläre Basalmembran eine sehr wirksame Barriere für größere Moleküle wie Plasmaproteine, insbesondere Albumin, darstellt, gelangen geringe Mengen an Proteinen durch die kapillären Basalmembranen in das glomeruläre Filtrat. Ein Teil dieser filtrierten Proteine wird durch die proximalen Tubuli rückresorbiert und abgebaut, während ein anderer Teil mit dem Urin ausgeschieden wird. Die obere Grenze der normalen Proteinausscheidung im Urin liegt bei 150 mg/Tag, für Albumin bei etwa 30 mg/Tag. Eine Albuminausscheidung im Bereich von 30 bis 300 mg/Tag wird als moderat erhöht bezeichnet und als Mikroalbuminurie definiert. Werte oberhalb dieses Bereichs werden gemäß aktueller Terminologie als stark erhöhte Albuminurie eingeordnet.2
Die Ursachen der Proteinurie sind vielfältig2,3. Die häufigste Form ist die glomeruläre Proteinurie, bei der eine Schädigung der glomerulären Filterbarriere vorliegt, sodass vermehrt Albumin und andere Plasmaproteine in das Filtrat übertreten. Eine tubuläre Proteinurie entsteht infolge tubulointerstitieller Nierenerkrankungen, die die Rückresorption von Proteinen im proximalen Tubulus beeinträchtigen. Dabei werden typischerweise niedermolekulare Proteine wie α1-Mikroglobulin ausgeschieden. Von einer Überlauf-(Overflow-)Proteinurie spricht man, wenn große Mengen bestimmter Proteine wie beispielsweise Paraproteine bei multiplem Myelom die reabsorptive Kapazität der proximalen Tubuli überschreiten. Eine funktionelle Proteinurie tritt bei erhöhtem renalem Blutfluss auf, etwa infolge von körperlicher Anstrengung, Fieber oder rhythmogener Herzinsuffizienz. Dadurch gelangen vermehrt Proteine in das Nephron, was zu einer meist unter 1 g pro Tag liegenden Eiweißausscheidung im Urin führt. Diese Form der Proteinurie ist reversibel und bildet sich zurück, sobald sich der renale Blutfluss normalisiert.2
Die Abklärung einer Proteinurie beginnt üblicherweise mit einem Urinteststreifen, der vor allem auf Albumin reagiert. Daher entspricht eine zufällig festgestellte isolierte Proteinurie in den meisten Fällen einer Albuminurie. Da herkömmliche Teststreifen für geringe Albuminmengen nicht ausreichend empfindlich sind, weist ein positives Testergebnis in der Regel bereits auf eine manifeste Proteinurie hin. Eine persistierende Proteinurie gilt als Hinweis auf eine glomeruläre Erkrankung und erfordert eine weiterführende Diagnostik, einschließlich der Bestimmung der glomerulären Filtrationsrate und der Quantifizierung der Proteinausscheidung im Urin, beispielsweise mittels 24-Stunden-Sammelurin, Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio oder Urin-Protein-Kreatinin-Ratio zur Erfassung der Gesamteiweißmenge im Urin.2,3
Zur weiterführenden Abklärung gehört neben der Quantifizierung der Proteinausscheidung im Urin auch die Bestimmung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR). Die eGFR dient als Maß für die Filtrationsleistung der Nieren und erlaubt die Einschätzung des Ausmaßes der Nierenfunktionseinschränkung. Dabei stehen Proteinurie und eGFR in engem pathophysiologischen und prognostischen Zusammenhang.4 Die Albuminurie ergänzt die eGFR, weil sie ein früher Biomarker der gestörten Schrankenfunktion in den Glomeruli ist.4 Die Leitlinie der Organisation Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) verwendet eGFR und Albuminurie als zentrale prognostische Marker der chronischen Nierenkrankheit (CKD). Die Klassifizierung der CKD-Prognose erfolgt mithilfe dieser zwei Marker in GFR-Kategorien (G1–G5) und Albuminurie-Kategorien (A1-A3). Die Klassifikation ist von großer Bedeutung, da sie nicht nur den Schweregrad der Nierenfunktionseinschränkung, sondern auch das Risiko für multiple Folgeerkrankungen wie Nierenversagen und kardiovaskuläre Ereignisse berücksichtigt.4
Referenzen
- Currie G, Delles C. Int J Nephrol Renovasc Dis. 2013;7:13–24.
- Kidney Disease improving global outcomes (KDIGO) 2021 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease, Kidney International 2021;100(4S):1–276.
- Harrison T, Tonelli M. Kidney Int. 2023;104(5):904–909.
- Kidney Disease improving global outcomes (KDIGO) 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease, Kidney International 2024;105(4S):117–314.