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​​Arzt und Patient im Gespräch​
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Die chronische Nierenkrankheit


Die chronische Nierenkrankheit (Chronic Kidney Disease, CKD) ist definiert als eine Störung von Nierenstruktur oder -funktion, die über mindestens drei Monate anhält.1 Der Schweregrad wird nach der glomerulären Filtrationsrate (GFR) und dem Ausmaß der Albuminurie eingeteilt.1,2 Dabei lässt sich die glomeruläre Filtrationsrate anhand von Alter, Geschlecht und Serumkreatinin schätzen (Estimated GFR = eGFR).2  

Tabelle 1: Stadien der CKD nach GFR

GFR-Stadium

GFR (ml / min / 1,73 m2

Bezeichnung

G1

≥ 90

normal oder hoch a

G2

60–89

leichtgradig eingeschränkt a

G3a

45–59

leicht- bis mäßiggradig eingeschränkt

G3b

30–44

mäßig- bis hochgradig eingeschränkt

G4

15–29

hochgradig eingeschränkt

G5

< 15

Nierenversagen


a lm Vergleich zu jungen Erwachsenen; GFR: glomeruläre Filtrationsrate, in Abwesenheit von Anhaltspunkten für Nierenschaden entsprechen die GFR-Stadien G1 und G2 nicht der Definition für das Vorliegen einer Nierenkrankheit.

Tab. mod. nach2.

 

Tabelle 2: Albuminurie-Stadien der chronischen Nierenkrankheit

 

UACR

Stadium

AER (mg/24 h)

(mg/mmol)

(mg/g)

Bezeichnung

A1< 30< 3< 30normal bis leicht erhöht
A230–3003–3030–300mäßig erhöhta
A3> 300> 30> 300stark erhöhtb


UACR:Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio; AER: Albumin Exkretion Rate, Albuminausscheidungsrate 
a lm Vergleich zu jungen Erwachsenen
b Inklusive nephrotisches Syndrom (Albuminausscheidung meist > 2.220 mg/g; 220 mg/mmol)

Tab. mod. nach2.

In Deutschland leiden etwa acht bis neun Millionen Erwachsene an einer CKD der Stadien G3–5.2,3

Aufgrund physiologischer Alterungsprozesse und einer wachsenden Zahl an Komorbiditäten, die sich negativ auf die Nieren auswirken, verschlechtert sich die Nierenfunktion mit zunehmendem Alter.2 Dadurch steigt die Prävalenz der GFR-Stadien ≥ G3 bis auf über 30 Prozent in der Gruppe der über 64- bis 65-Jährigen.2,4

Die Ursachen einer CKD

Es gibt viele Ursachen für eine chronische Nierenkrankheit, in der Statistik führen die diabetische und die vaskulär – vorwiegend hypertensiv – bedingte Nephropathie mit 23 bzw. 22 Prozent, die glomeruläre nicht diabetische liegt bei 17 Prozent.2,5

Die diabetische Nephropathie bezeichnet als Überbegriff multiple Veränderungen an der Niere, die sich als Spätkomplikation etwa 10 bis 15 Jahre nach dem Auftreten des Diabetes entwickeln.6 Dazu zählen entzündliche Prozesse, Gefäßveränderungen und Störungen der Filterfunktion. Etwa 40 Prozent der Patient*innen mit Diabetes sind im Krankheitsverlauf davon betroffen. Als erstes Zeichen gilt die Mikroalbuminurie.6

Auch bei der hypertensiven Nephropathie spielen verschiedene schädigende Mechanismen eine Rolle, unter anderem Fehlregulationen im Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, Schäden an den Glomeruli und Verletzungen an den Tubuli durch den erhöhten intravasalen Druck.7 Das alles mündet letztlich in eine Fibrosierung und Sklerosierung der kleinen Nierengefäße.

Begleiterkrankungen bei CKD

Es gibt einige typische Komorbiditäten, die bei einer CKD gehäuft auftreten.2 So haben die Patient*innen ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko und leiden häufiger an Störungen des Mineral- und Knochenstoffwechsels sowie des Wasser- und Elektrolythaushaltes. Außerdem entwickeln viele im Verlauf eine renale Anämie.

Screening und Maßnahmen nach der Diagnose

Ein generelles Screening von Menschen ohne Zeichen einer Nierenschädigung und Risikofaktoren dafür wird nicht empfohlen.2 Risikogruppen, das heißt vor allem Patient*innen mit Diabetes oder arterieller Hypertonie, sollten dagegen alle ein bis zwei Jahre auf Nierenerkrankungen mittels Kreatininmessung und Bestimmung der Albumin-Kreatinin-Ratio im Urin gescreent werden.1,2

Wird eine CKD festgestellt, werden zur Ursachenforschung eine Reihe von Untersuchungen empfohlen.1,2  Dazu zählen Urinanalyse mit Sediment, die UACR, eine Sonographie von Nieren und ableitenden Harnwegen, Serumuntersuchungen (u. a. Elektrolyte, Säure-Basen-Profil, Autoantikörper) sowie Blutdruckkontrollen und eventuell eine Nierenbiopsie und genetische Tests. Um das kardiovaskuläre Risiko der Patient*innen abzuschätzen, gibt es verschiedene Risiko-Scores wie den SCORE2.8

Tipps zum Lebensstil

Eine Beratung der Betroffenen bezüglich eines gesunden Lebensstils – Bewegung, Ernährung, Rauchstopp etc. – zählt ebenfalls zum Maßnahmenkatalog.2 Was die Ernährung betrifft, bekommen Patient*innen mit erhöhtem renalen und kardiovaskulären Risiko (CKD ab G3b und/oder A3) folgende Empfehlungen:2

  • mediterrane Kost zur Senkung des kardiovaskulären Risikos und des renalen Progressionsrisikos
  • kochsalzarme Kost
  • viel frisches Obst und Gemüse, um den Vitaminbedarf zu sichern und die endogene Säureproduktion zu mindern.
  • Verzicht auf Fertigprodukte und gesüßte Getränke (wegen phosphathaltiger Zusatzstoffe)

Die Protein- und Energiezufuhr sollte wie bei der gesunden Normalbevölkerung etwa 0,8–1,0 g/kg Protein und 25–35 kcal/kg pro Tag betragen.

Bevor Patient*innen mit CKD neue Medikamente – auch freiverkäufliche – einnehmen, muss auf Kontraindikationen oder eventuell nötige Dosisanpassungen geprüft werden.2

Therapie und Prognose

Bei der diabetischen und vaskulären Nephropathie steht die optimale Kontrolle der Grunderkrankungen Diabetes und arterielle Hypertonie an erster Stelle. Für die meisten anderen chronischen Nierenkrankheiten gibt es spezifische Therapien.2

Das absolute Risiko für ein Nierenversagen wird zwar auch für Patient*innen in den CKD-Stadien 3–4 als gering eingestuft.2 Dennoch schreitet die Erkrankung bei vielen bis zum Nierenversagen fort. Aktuell erhalten etwa 100.000 Menschen in Deutschland dauerhaft eine Dialysetherapie.9

Um das Progressionsrisiko einer CKD abschätzen zu können, gibt es verschiedene Risiko-Scores.2,10,11

 

Referenzen

  1. Kidney disease improving global outcomes (KDIGO) 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease, Kidney International 2024;105 (Suppl 4S):117–314.
  2. Kiel S et. al. S3-Leitlinie Versorgung von Patient*innen mit chronischer, nicht-nierenersatztherapiepflichtiger Nierenkrankheit in der Hausarztpraxis - Chronisch eingeschränkte Nierenfunktion in der Hausarztpraxis, DEGAM-Leitlinie Nr. 22, (Version 2.0) AWMF-Register-Nr. 053-048, Stand 06/2024.
  3. Deutsche Gesellschaft für Nephrologie: https://www.dgfn.eu/pressemeldung/koalitionsvertrag-volkskrankheit-chronische-nierenkrankheit-ckd-beruecksichtigen.html.
  4. Zhang Q-L, Rothenbacher D. BMC Public Health 2008; 8:117.
  5. Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen. Jahresbericht 2019 zur Qualität in der Dialyse: Erstellt im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses; 2020. https://www.g-ba.de/downloads/39-261-4568/2020-11-20_QSD-RL_IQTIG-Jahresbericht-2019.pdf.
  6. https://www.bundesverband-niere.de/informationen/chronische-nierenerkrankungen.
  7. Costantino VV. Gil Lorenzo AF et al. Cells. 2021 Nov 12;10(11):3146.
  8. European Society of Cardiology: https://www.escardio.org/guidelines/practice-tools/cvd-prevention-toolbox/score-risk-charts/, zuletzt abgerufen am 02.02.2026.
  9. Deutsche Gesellschaft für Nephrologie: https://www.dgfn.eu/pressemeldung/in-deutschland-stehen-dialyse-und-nierentransplantation-unter-druck.html
  10. https://www.ckdpc.org/risk-models.html.
  11. Universitätsmedizin Greifswald: https://www.risiko-nierenversagen.de/informationen, zuletzt abgerufen am 02.02.2026.