Hidradenitis suppurativa
Was ist Hidradenitis suppurativa?
Hidradenitis suppurativa (HS), auch Akne inversa genannt, ist eine systemische und schmerzhafte, entzündliche Hauterkrankung mit chronisch intermittierendem Verlauf.1-4 HS zeichnet sich durch schmerzhafte, tiefsitzende, entzündete Läsionen in den apokrinen Drüsenbereichen des Körpers, am häufigsten in den Achselhöhlen, der Leistengegend und im Anogenitalbereich aus.1,5
Trotz ihrer hohen Krankheitslast wird sie im Durchschnitt erst nach 7 bis 10 Jahren diagnostiziert.4 Wichtige Hintergrundinformationen zur Epidemiologie, Risikofaktoren und Krankheitslast von HS finden Sie in diesem Artikel.
Sie möchten Sich einen kurzen Überblick über HS verschaffen? Sehen Sie sich hier ein Erklärvideo auf Englisch an.
Was geschieht unter der Haut?
Adaptiert nach Goldburg et al 20206
Epidemiologie
Adaptiert nach Elkin et al 2020 9
Die genaue Prävalenz von HS ist nach wie vor unbekannt. Mehrere bevölkerungsbezogene Studien in Europa weisen auf eine 1-Jahres-Prävalenz von etwa 1 % in der europäischen Allgemeinbevölkerung hin.1
In Europa tritt HS jedoch häufiger auf als im Rest der Welt.7 Neben der familiären Vorbelastung scheinen auch das Geschlecht und Alter bei der Entstehung von HS eine Rolle zu spielen.
Ein Drittel der Menschen mit HS hat eine positive Familienanamnese.8
Die Prävalenz von HS ist bei Frauen fast dreimal so hoch wie bei Männern.9
HS tritt meist in der Postpubertät (20-30 Jahren) und selten in der Vorpubertät auf.10,11
Die höchste Inzidenz von HS ist in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen.9
Die HS-Prävalenz nimmt nach dem 55. Lebensjahr ab.9,12,13
Risikofaktoren
Patienten mit einem erhöhten Risiko für Hidradenitis suppurativa
Berücksichtigen Sie folgende Faktoren bei der Diagnose:
Patienten mit erhöhtem Risiko einer Hidradenitis suppurativa (HS)
Personen mit familiärer Vorbelastung (> 30% der HS-Patienten)8
Weibliches Geschlecht (3 × erhöhtes Risiko)9
Menschen mit einem BMI > 3012
Alter 20 bis 30: HS tritt typischerweise nach der Pubertät auf10,11
Raucher (9,4 × höheres Risiko im Vergleich zu Nichtrauchern)14
Menschen afrikanischer Abstammung (3 × erhöhtes Risiko)*,15
* basierend auf einer Afro-Amerikanischen Studienpopulation.
Erfahren Sie mehr über die Risikofaktoren für HS im englischsprachigen Video.
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Krankheitslast
Wird HS nicht angemessen behandelt, kann sie zu schwerwiegenden Komplikationen wie bakteriellen Infektionen, Fistelbildung, körperlichen Beeinträchtigungen sowie Depressionen, Unwohlsein und sozialen Beeinträchtigungen führen.1,16
Lebensqualität bei HS
In mehreren Studien zu Dermatosen wiesen Patienten mit HS im Vergleich zu anderen dermatologischen Erkrankungen die niedrigsten Durchschnittswerte für den selbsteingeschätzten Gesundheitszustand und die grösste Beeinträchtigung der Lebensqualität auf.17-19
HS hat nachweislich bei bis zu 60 % der Patienten, die mit der Krankheit leben, einen grossen oder extrem grossen negativen Einfluss auf die Lebensqualität.3
HS geht mit einer deutlichen Verringerung der Lebensqualität in Bezug auf die täglichen Aktivitäten, die Beschwerden und die Gefühlslage einher (anhand DLQI-Score gezeigt).19,20
Schmerzen bei HS
Die bei HS verstärkt auftretende Immunreaktion verursacht schmerzhafte, entzündliche Läsionen wie zum Beispiel Abszesse mit übelriechendem Ausfluss, die zu irreversibler Narbenbildung führen können.2,3,21 Der körperliche Schmerz von HS ist jedoch das belastendste Symptom im Leben der Patienten.20 Die Auswirkungen hier im Überblick:
Akute und chronische körperliche Schmerzen betreffen bis zu 86 % der HS-Patienten.22
Die Patienten beschreiben die Schmerzen als brennend, schneidend, nagend und pochend.3
Zur Schmerzlinderung greifen die Patienten teilweise zu eigenständigen Maßnahmen.20
HS-Schmerzen umfassen sowohl nozizeptive Schmerzen (eine Reaktion auf die Gewebeschädigung) als auch neuropathische Schmerzen (die vermutlich auf eine Entzündung zurückzuführen sind und neuroplastische Veränderungen sowie eine zentrale Sensibilisierung verursachen).23-25
HS-bedingte Narben können auch dann noch schmerzhaft sein, wenn die Läsionen bereits abgeklungen sind.26
HS hat auch emotionale und psychosoziale Auswirkungen20,27-35
Die HS-bedingten Schäden, wie Narbenbildung und Dyspigmentierung, können neben der körperlichen Entstellung auch dauerhafte psychische Einschränkungen zur Folge haben.26 Patienten mit HS leiden auch häufiger an Depressionen, Angststörungen, Drogenkonsum (Opioid- und Alkoholkonsum) und Suizidalität.11,27,29,30 Ein geringes Selbstwertgefühl und ein gestörtes Körperbild können das Leben der Patienten stark beeinträchtigen.31 Patienten sind einem erhöhten Risiko für sexuelle Funktionsstörungen, einem hohen Mass an Einsamkeit und sozialer Isolation ausgesetzt.20,32 Ein erhöhter medizinischer Betreuungsaufwand kann zudem auch die Fehlzeiten am Arbeitsplatz erhöhen.33
Emotionale und psychosoziale Auswirkungen von Hidradenitis suppurativa20,27-33
Stimmungsschwankungen
Mangelndes Selbstbewusstsein
Verlust der Intimität
Einsamkeit
Abbildung erstellt auf Grundlage von Huang und Kirchhof 2021 20 20,27-33.
Arbeitsunfähigkeit
Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig2
Denn aufgrund ihres fortschreitenden, destruktiven Charakters ist eine frühzeitige Diagnose von HS unerlässlich.13 Millionen von Menschen auf der ganzen Welt leiden an HS und warten oft jahrelang auf die richtige Diagnose oder Behandlung.34,35,36 Sobald die Krankheit so weit fortschreitet, dass sich Narben bilden, ist die Gewebezerstörung irreversibel.2
Eine korrekte und frühzeitige Diagnose kann den Patienten die Chance bieten, wieder uneingeschränkt am Leben teilzunehmen.38
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