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Chronische Myeloische Leukämie (CML)
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Chronische Myeloische Leukämie (CML)

1. Pathophysiologie

Bei der CML kommt es zur unkontrollierten Überproduktion von weissen Blutkörperchen (Leukozyten). Neue Blutzellen werden normalerweise streng kontrolliert aus Stammzellen im Knochenmark über mehrere Vorstufen gebildet. Ausgereift erfüllen sie im Blut ihre unterschiedlichen Aufgaben. Die Funktion weisser Blutkörperchen ist die Verteidigung unseres Körpers gegen Krankheitserreger.

Bei der CML ist eine bestimmte Vorstufe entartet, weshalb unkontrolliert weisse Blutkörperchen produziert werden (Abb. 1). In der frühen, der sogenannten chronischen Phase, schreitet die Krankheit nur langsam voran. Zwar ist die Anzahl der weissen Blutkörperchen im Blut bereits erhöht, die Zellen sind jedoch meist ausgereift und funktionsfähig – dadurch treten oft keine oder nur geringe Beschwerden auf.

Im weiteren Verlauf kann die CML fortschreiten und in eine Blastenkrise übergehen. Dabei steigt die Anzahl unreifer weisser Blutkörperchen im Knochenmark und im Blut deutlich an. Ausserdem kann die Bildung anderer Blutzellen gestört sein, was zu verschiedenen Symptome führen kann. Davon können sowohl Zellen des Immunsystems (weisse Blutkörperchen; Leukozyten) betroffen sein als auch rote Blutkörperchen (Erythrozyten), die für den Sauerstofftransport im Blut notwendig sind, oder Blutplättchen (Thrombozyten), die für das Verschlies­sen von Wunden benötigt werden.

Abb. 1 Blutzusammensetzung Gesund vs CML

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Abb. 1 Blutzusammensetzung Gesund vs CML

 

 

2. Ursache und Epidemiologie

In der Schweiz wird pro Jahr bei etwa 100 - 120 Menschen eine CML diagnostiziert. Zwar kann eine CML in allen Altergruppen vorkommen, allerdings sind die meisten Erkrankten zwischen 55 – 60 Jahren alt.1

Bestimmte Veränderungen im Erbgut einer Vorstufe der weissen Blutkörperchen führen dazu, dass sich die weissen Blutkörperchen unkontrolliert vermehren.2  

Im Erbgut der Zellen, der DNA, liegen die Baupläne für Proteine, die wichtige Funktionen im Körper ausführen. Diese Baupläne liegen auf Chromosomen, die paarweise vorkommen. Insgesamt hat der Mensch 23 Chromosomenpaare.

Bei der CML kommt es zur Umlagerung der Chromosomen 9 und 22, wodurch das sogenannte Philadelphia-Chromosom (Ph) entsteht. Hierbei handelt es sich um ein fehlerhaft verkürztes Chromosom 22, das bei den meisten Erkrankten nachweisbar ist.3  

Bei der Umlagerung kommt es zur Fusion des BCR-Gens auf Chromosom 22 mit dem ABL-Gen auf Chromosom 9, sodass ein BCR-ABL-Gen entsteht (Abb. 2). Dieses Fusionsgen befindet sich auf dem Philadelphia-Chromosom und dient als Bauplan für das krankhafte BCR-ABL-Protein.

Das BCR-ABL-Protein gehört zur Gruppe der Tyrosinkinasen. Diese dienen in der Zelle als „An-Aus-Schalter“ und regulieren wichtige Prozesse wie das Wachstum, die Teilung und das Überleben. Bei der CML ist das BCR-ABL-Protein jedoch krankhaft aktiv und vermittelt der Zelle dauerhaft das Signal, sich zu teilen. Dadurch kommt es zur übermässigen Produktion von weissen Blutkörperchen.3 

Abb. 2 Das Philadelphia Chromosom

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Abb. 2 Das Philadelphia Chromosom

 

 

3. Symptome

Die CML wird häufig durch Zufall anhand eines Blutbildes diagnostiziert. Symptomatische Patienten zeigen häufig Symptome wie Abgeschlagenheit, Schwäche, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Knochenschmerzen oder Oberbauchbeschwerden bei Milzvergrösserung.1 

Tabelle 1: Symptome der CML (adaptiert nach 4)

 

Mögliche Krankheitsanzeichen der CMLWahrscheinliche Ursachen
  • Fatigue
  • Gewichtsverlust
  • Unwohlsein
Anämie
  • Blutungen
  • Thrombose
Blutgerinnungsstörung
  • Druck im Oberbauch
Vergrösserte Milz und/oder Leber
  • Priapismus
  • Kurzatmigkeit
  • Schläfrigkeit
  • Verlust der Koordination
  • Verwirrtheit
Begleitsymptome von Krebserkrankungen
  • Gichtarthritis
Erhöhte Harnsäurespiegel
  • Netzhautblutungen
  • Geschwürbildung im Oberbauch
Erhöhte Histamin Level durch Basophilie

4. Diagnostik

Durch die nicht eindeutigen Symptome bei Anamnese kann eine Diagnose der CML nur anhand einer Blutuntersuchung und einer Knochenmarksuntersuchung gestellt werden.  

Tabelle 2: Diagnostik bei Verdacht auf CML (adaptiert nach 1)

 

UntersuchungAnmerkungen
AnamneseAbgeschlagenheit, Schwäche, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Knochenschmerzen oder Oberbauchbeschwerden bei Milzvergrösserung
Körperliche UntersuchungMilz- und Lebergrösse
BlutbildGrosses Blutbild mit mikroskopischer Differenzierung  
Peripheres BlutMultiplex-PCR auf BCR-ABL-1-Varianten 
Knochenmarkaspirat (Entnahme einer Knochenmarksprobe)  Zytologie (Blasten, Basophile, Megakaryozytenmorphologie, kontinuierliche Linksverschiebung)
KnochenmarkbiopsieFibrose, Blastenzahl und -verteilung

Referenzen

  1. Hochhaus A, Brioli A, Brümmendorf TH, et al., Chronische Myeloische Leukämie (CML). Onkopedia. Abrufbar unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/chronische-myeloische-leukaemie-cml/@@guideline/html/index.html#ID0EDF (letzter Zugriff: 18/06/2026) 
  2. Hehlmann R et al. Chronic myeloid leukaemia. Lancet. Elsevier; 2007 p. 342–50 
  3. Deutsche Leukämie- & Lymphomhilfe (DLH). www.leukaemie-hilfe.de/fileadmin/user_upload/dlh-broschueren/dlh-broschuere-CML-2021.pdf (zuletzt aufgerufen am 29.06.2026). 
  4. Hochhaus A et al. Chronic myeloid leukaemia: ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. ESMO Updated Clinical Practice Guidelines. 2017; 28: iv41–51. 

Novartis stellt die aufgeführten Referenzen auf Anfrage zur Verfügung.